Günter Erber in historischer Bekleidung aus den 30er Jahren, die er anlässlich von Ausfahrten bei Radtreffen trägt.
Herrenrad Typ 35202 von 1956

Günter Erber: Ein radelnder Schatzsucher und Diamantiker

Das Sammeln war schon immer meine Leidenschaft, zunächst einmal das von Motorrädern, Mopeds und Motoren. Irgendwann kam es deshalb zu Interessenkonflikten zwischen meiner Frau und mir, die meiner Frau einen nagelneuen Trockner brachten – und mir die Waschküche. Mein erstes kleines Museum, in Anführungsstrichen natürlich.

Kostbarkeit zwischen Krims und Krams

Auf Diamant bin ich 1982 durch einen Kollegen bei meiner Arbeitsstelle aufmerksam geworden: Im Gerätekeller stand so ein uraltes Fahrrad herum, irgendwo zwischen Krims und Krams. Na ja, keiner wollte das Ding haben und so durfte ich es mit nach Hause nehmen. Da stand es solange rum, bis mein „Museum“ mal wieder aus allen Nähten platzte und ich aussondern musste. Als ich das Rad schon in Richtung Sperrmüll schieben wollte, dachte ich: Komisch, gar keine Muffen, aber eine seltsame Kette, so was habe ich ja noch nie gesehen. Herr Scherber vom VFV (Veteranen Fahrzeug Verband) hat dann recherchiert, dass das Rad von 1907 sei. Ich war erstmal völlig platt, so wie das olle Rad, das ich schon wegwerfen wollte. Da fing die Leidenschaft an: Vollrestaurierung, über ein Jahr lang. Ich habe das Rad in der Garage gespritzt und Anbauteile von einem Spezialbetrieb vernickeln lassen, das war vor 1930 die gängige Technik statt verchromen. Irgendwann sah das gute Stück wieder
aus wie zur Zeit seines Baus. Mein zweiter Sammler-Impuls war ein großes altes Diamant-Emailschild bei einem Händler in Aach bei Trier. Er meinte, das müsse ich einfach haben. Wir haben einen Preis ausgehandelt, den meine Frau erstmal besser nicht erfahren durfte. Sie war dann aber der dritte Grund für meinen Weg zum Diamantiker: Da gab es auf einem Veteranenmarkt ein altes Damenrad mit der Nr. 51, alles komplett, genau das richtige für meine Frau. Für mich natürlich auch – das musste ja auch erstmal restauriert werden ...

Jede Ausfahrt wie eine kleine Zeitreise

Dann sind da noch die historischen Treffen seit 1987 vom BDR / Festival der Pedale, IVCA – International Veteran Cycle Association – und Verein Historische Fahrräder. Machen meiner Frau und mir immer viel Spaß, jede Ausfahrt wie eine kleine Zeitreise.

Gibt es ein besonderes Diamant-Teil, das mir viel bedeutet?

Schon, ich habe eine kleine Ölkanne, die relativ selten ist. Aber eigentlich ist es das Emailschild, weil damit das Sammeln anfing. Das wird aber trotzdem nicht gestreichelt. Unter den Fahrrädern selbst ist mein Lieblingsstück die Nr. 50, von 1923 /24: Komplett, nicht restauriert und nicht verbastelt, mit derweißen Original-Bereifung, bei dem das Profil aus dem Continental-Schriftzug besteht. Und da habe ich neuerdings noch ein Diamant-Rad für 12-jährige, für die heranwachsenden Enkelkinder. Es wird aber irgendwie schon wieder etwas eng ...



Werner Aidn im historischen Diamant Radrennfahrer Outfit

Zeit-Fahren, historisch definiert – Werner Aidn, ein Diamantensammler

Angefangen mit dem Sammeln habe ich im Jahr 1985 und das erstmal eher zufällig. Mein Großvater, der besaß früher so ein schweres Motorrad, mit dem er fuhr. Eine feuerrote Maschine mit einem 500 ccm-Motor, die in den 20er Jahren gebaut wurde – und zwar von Diamant. Daran habe ich mich erinnert, als ich später nach einem Rennrad für mich gesucht habe; ich wusste zunächst ja gar nicht, dass Diamant auch Fahrräder baut. Mit diesem Rad bin ich dann viel gefahren, irgendwann kam ein zweites dazu und dann noch eines, wie das halt so geht. Inzwischen ist meine Sammlung auf 50 Exemplare angewachsen, mit vielen Rennrädern, sowohl für Bahn- wie für Straßenrennen. Der überwiegende Teil, geschätzt 75 % kommt von Diamant, und von diesen 75% sind wiederum 75% Rennräder. Das liegt in der Natur der Sache, weil ich ja viele Straßenrennen gefahren bin.

Schnell und hellgrün durch die Toscana

Wenn ich nach meinem Lieblingsstück gefragt werde, muss ich passen, ich fi nde ja jedes einzelne gut. Es gibt da kein spezielles, aber immerhin eines, mit dem ich wirklich immer wieder sehr gern fahre: Das ist mein Rennrad Modell Nr. 28 in hellgrüner Originallackierung von 1923, das ich schon sehr lange habe und mit dem ich auch schon öfters auf Veteranenrennen mitgefahren bin. Beispielsweise auf der „L’ Eroica“, eine sehr schöne und anspruchsvolle Toscana-Rundfahrt für historische Rennräder, die seit 1997 jedes Jahr im Oktober stattfindet und durch das Chianti-Gebiet führt.

Interessiert an allem, was bei Rad und Rennen dazugehört

Wieso ich mich so sehr für die Diamant-Historie interessiere? Das hat natürlich direkt mit meinen Rädern zu tun. Als ich mit dem Sammeln von Fahrrädern, besonders von alten, angefangen habe, da habe ich natürlich auch viel recherchiert, also mit den Rädern praktisch auch Informationen gesammelt. Das hat sich rumgesprochen und irgendwann durfte ich sogar ins Diamant-Archiv, um dort zu stöbern und nachzuforschen. So bin ich immer mehr zum Spezialisten für Diamant geworden und da hat sich in 20 Jahren ganz schön etwas angehäuft. Neben den Fahrrädern sammle ich ja auch Prospekte, Aufkleber, Wimpel, Schilder – eben alles, was bei Rad und Rennen dazugehört.

Das vielleicht außergewöhnlichste Stück meiner Sammlung ist ein besonderes Rad: Ein altes Fahrrad, bei dem die 4-Gang Schaltung weder über Kette noch über Nabe funktioniert, sondern stattdessen im Tretlager eingebaut ist. Geschaltet wird mit einem langen Hebel wie beim Motorrad. Von diesem Modell wurden gerade mal 41 Stück gebaut. Ob ich einen Wunsch habe? Klar, einen schönen Gruß an Täve Schur!