Istvan Kovacs, seit 1968 Mitarbeiter bei Diamant.
Gustav-Adolf „Täve“ Schur, einer der populärsten Radrennfahrer zu Zeiten der DDR.

Istvan Kovacs
Von Ungarn nach Deutschland und von Strick zu Fahrrad. 42 Jahre Diamantler

Hmm, wie lange bin ich schon bei Diamant? Das sind jetzt 42 Jahre. Ich habe bei Diamant am 3. Oktober 1968 angefangen. Im Rahmen eines Austauschprogramms zwischen Ungarn und der DDR bin ich dann hierher gekommen, mit einem Dreijahresvertrag als Elektrotechniker. Aber dann habe ich hier meine Frau kennen gelernt und bin hier geblieben. Mein schönstes und schwierigstes Jahr mit Diamant-Fahrrädern, das war nach der Wende. Vorher war ich nämlich im Unternehmensbereich Strickmaschinen beschäftigt. Bei denen habe ich allerdings die komplette Elektronik und Mechanik aus dem FF gekannt, gute Maschinen waren das. Na ja, nach der Wende bin ich zum Bereich Fahrräder gewechselt. Das war mein schönstes Jahr, weil ich ja weiter bei Diamant bleiben konnte, erst im Kundendienst, später im Einkauf und jetzt im Außendienst. Es war aber auch mein schwierigstes Jahr: Wir waren ja alle nicht sicher, ob es weitergehen würde und haben um unsere Jobs gezittert.

Ganz groß – unsere Sportler und Sport-Geschichte

Meine Sport-Favoriten? Also, mein absolutes Super-Highlight: Täve Schur. Mit ihm und mit seinen Erfolgen ist Diamant groß geworden. Der ist auch für mich persönlich ein Idol, wie für viele Leute in meiner Generation. Einer der besten DDR-Radrennfahrer aller Zeiten: Bei „seiner“ Friedensfahrt haben Tausende an den Straßen gestanden und gejubelt, eine Bombenstimmung wie in Frankreich bei der Tour de France.

Wenn Sie mich fragen, welches mein Lieblingsmodell ist:

Ganz klar derzeit die Räder aus der Elan-Serie! Aber das ändert sich bei mir von Saison zu Saison, je nach dem was wir für ein neues Modell mit speziellen Details auf den Markt bringen. Und wie sieht’s bei mir aktuell im Job aus? Nicht schlecht. Die Liebe zur Qualität von Diamant ist nach wie vor ungebrochen und wir verkaufen nicht schlecht, das sind in meinem Gebiet so an die 10 – 12.000 Fahrräder pro Jahr. Unsere meistverkauften Modelle sind im Trekkingbereich die Elan-Serie. Oder unsere Retro-Räder, die ebenfalls viele Freunde haben, Topas ist da unser Top-As.


Hartmut Rogotzki, seit 1964 bei Diamant.
Im Jahr 2010 gibt es bei Diamant auch wieder zwei Auszubildende: Stev und Benjamin.

Hartmut Rogotzki
Ein Leben mit Diamant – von der Pike auf dabei

Ich habe 1964 ganz klein bei Elite-Diamant als Elektriker-Lehrling angefangen, im Bereich Instandhaltung der technischen Ausrüstung. Eigentlich komme ich ja von der Insel Rügen, aber wir sind hierher gezogen, weil mein Vater einen Job bei der SDAG Wismut im Erzgebirge gefunden hat. Außer den Bergwerken gab es hier in der Gegend hauptsächlich noch Textilindustrie. Da bot es sich geradezu an, dass die Nevoigts in diesen Bereich eingestiegen sind. Erst einmal mit Ersatzteilen und dann neben den Fahrrädern mit Strickmaschinen als zweitem Standbein. Zu dieser Zeit war Chemnitz wahrscheinlich schon so etwas wie ein deutsches Manchester. Heute kann man Strickmaschinen allerdings nur noch im Industriemuseum finden.

Werkssport und Sport-Werk

Was bei Diamant toll war, das war die Sportverbindung. Für mich am interessantesten: Die Bahnräder. Schon deshalb, weil viele Kollegen auch aktiv im Radsport waren. Bei uns in der Abteilung war z.B. einer, der Steherrennen gefahren ist, immer hinter großen Motorrädern her. Eine ganz große Sache hier in Chemnitz, da sind wir sogar als Kinder schon immer hingegangen, weil die Rennen richtig schnell waren. Die Bahnräder sind ja auch bei uns gebaut worden und zum Teil sogar heute noch im Einsatz. Meine persönliche Medaille für besondere Diamant-Verdienste, die ginge nur an einen – an Täve Schur. Denn sein Sport-Werk war ja auch immer unser Gewinn. Der war auch immer wieder mit den Konstrukteuren über Verbesserungen im Gespräch. Was für uns bedauerlich war, das war das Werbeverbot im Amateursport: Aber obwohl nicht mehr „Diamant“ auf den Rahmen stand, wusste eigentlich sowieso jeder, wer die Räder gebaut hat.

Diamant in allen Facetten

Mit Diamant fühle ich mich eigentlich schon immer verbunden, jetzt aber besonders, weil Diamant die letzte deutsche Fahrradmarke ist, die Bestand hat und auch heute noch produziert. Es war schon ein großes Glück für uns, dass es immer wieder jemanden gab, der an Diamant glaubte. So wie Villiger oder Trek, die die Zukunft dieser Marke gesehen haben. Immerhin haben wir seit zehn Jahren zum ersten Mal wieder Azubis im Fahrradbau, das hat auch etwas von Neubeginn und Zukunftsperspektive.

Was schön wäre: Ein betriebseigenes Museum, wie es Automobilhersteller haben. Ein Zentrum, um die lange Geschichte zu zeigen, die Verbindung zum Sport und die Wurzeln einer großen Marke. Ganz einfach Diamant in allen Facetten.


Eckbert Schauer, Fahrradhändler in Berlin Prenzlauer-Berg

Eckbert Schauer
Der Zeit voraus sein – eine Diamant-Tradition

Ich bin Fahrradhändler in Berlin Prenzlauer-Berg und da führe ich natürlich auch die große Traditionsmarke Diamant. Ich besitze ein Rennrad, das ich vor langer Zeit erworben habe und von dem ich mich nie getrennt habe – ein sehr frühes High-Tech-Material von Diamant: Mein Lieblingsrad wurde Ende der 1920er Jahre im Rahmen einer Versuchsserie hergestellt, die angeblich nur 300 Exemplare umfasste, ganz genau weiß man das nicht, weil entsprechende Unterlagen fehlen. Das Besondere bei diesem Modell war die Wahl des Materials, aber auch dessen Verarbeitung. Diamant gehörte von 1928 bis 1930 zur Adam Opel AG. Dank entsprechender Fördermittel wurden Versuchsserien mit dem Werkstoff Aluminium (damals Leichtmetall genannt) im Fahrradbau gemacht. Und die waren tatsächlich ihrer Zeit weit voraus. Man kann sagen, dass hier die Basis geschaffen wurde, auf der die Rohrverbindungs-Technologie erst in den 50er Jahren aufgebaut hat. High-Tech historisch – das ist die Faszination, die dieses Rad, von dem höchstwahrscheinlich nur noch vier Stück existieren, auf mich ausübt.

Wichtig wurde die Marke Diamant für mein Geschäft nach der Wende. Nachdem damals der sehr engagierte Werksdirektor Müller das Unternehmen mit Hilfe von hohen Bankkrediten retten konnte, nahm er Axel Keller mit ins Boot. Dieser ließ im Zweiradbereich moderne Modelle entwickeln und präsentierte Diamant mit einer ganz neuen Produktpalette. Was sowohl beim Handel als auch bei den Kunden großen Anklang fand – das war sein Konzept der Verbindung von Neuem und Tradition. Und gerade diese Verbindung und die Vergangenheit von 125 Jahren sind es wohl auch, die Diamant so einzigartig machen.

Ob Händler oder Kunde: Diamant ist eine Herzenssache

Was meinen persönlichen Wunsch an Diamant anbelangt, so wäre das dieser: Weiterhin nur mit dem Fachhandel zusammen zu arbeiten. Mit Händlern, die sich für das Unternehmen einsetzen, Händlern, die die Marke lieben. Ich glaube, dass ein gutes, autorisiertes Vertriebsnetz einen zusätzlichen Qualitätsfaktor für das Image von Diamant darstellt. Denn, ob man nun Händler oder Kunden befragt: Ein Diamant ist immer eine Herzenssache, aber auch ein Qualitätsversprechen. Und da sollten hervorragende Räder und bester Service ganz einfach zusammengehören. So, wie eine große Vergangenheit und eine große Zukunft!