{"id":14106,"date":"2021-06-04T07:33:20","date_gmt":"2021-06-04T05:33:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diamantrad.com\/?p=14106"},"modified":"2025-03-24T14:40:07","modified_gmt":"2025-03-24T13:40:07","slug":"wann-wird-deutschland-zum-fahrradland-acht-spannende-fakten-rund-ums-rad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diamantrad.com\/de-DE\/blog\/wann-wird-deutschland-zum-fahrradland-acht-spannende-fakten-rund-ums-rad\/","title":{"rendered":"Wann wird Deutschland zum Fahrradland? Acht spannende Fakten rund ums Rad"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"mb-5\"><strong>Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. Wir sind bekannt f\u00fcr Schlagermusik, Bier, Fu\u00dfball, das Oktoberfest und ja, auch f\u00fcr unsere sehr ausgepr\u00e4gte B\u00fcrokratie. Was Deutschland leider noch nicht ist: ein Fahrradland. Trotz der deutschen Fahrradvergangenheit\u2026 Immerhin setzte der geb\u00fcrtige Karlsruher Karl von Drais einen wichtigen Meilenstein hin zur Entwicklung des Fahrrads, wie wir es heute kennen. Dabei ist man mit dem Rad nicht nur schneller, sondern auch ges\u00fcnder, g\u00fcnstiger und \u00f6kologischer unterwegs. Und wir sind endlich auf einem guten Weg. Immer mehr Leute steigen immer \u00f6fter aufs Rad. Hier sind acht Fakten zur aktuellen Realit\u00e4t: so weit ist Deutschland schon auf dem Weg zum Fahrradland.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Deutsche kaufen mehr E-Bikes als Dieselautos.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Nicht erst seit der Corona-Krise lieben wir Deutsche das Fahrrad, schon vorher gab es unfassbar viele Bikes auf unseren Stra\u00dfen. Genauer gesagt 79,1 Millionen. Allein im Jahr 2020 kamen 5,04 Millionen R\u00e4der dazu \u2013 40 % davon waren E-Bikes, wie <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.ziv-zweirad.de\/marktdaten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">eine Studie des Zweirad Industrie Verband<\/a> (ZIV) best\u00e4tigt. Tendenz: stark steigend. Besonders spannend: Erstmals wurden im Jahr 2020 mehr Elektrofahrr\u00e4der als Dieselautos verkauft.&nbsp;Wenn das kein Grund zur Freude ist!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Spannend: Autofahren kostet, Fahrradfahren spart Geld.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Prof. Stefan G\u00f6ssling von der Lund University Kopenhagen und Andy S. Choi von der University of Queensland, Australien haben <a title=\"\" href=\"https:\/\/ideas.repec.org\/a\/eee\/ecolec\/v158y2019icp65-74.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">eine Studie vorgestellt<\/a>, wonach jeder gefahrene Kilometer mit dem Auto Kosten in H\u00f6he von 20 Cent f\u00fcr die Gesellschaft verursacht, w\u00e4hrend Radfahren auf gleicher Strecke rund 30 Cent spart. Grund f\u00fcr die signifikante Differenz sind Faktoren wie L\u00e4rm- und Luft-Verschmutzung, Stra\u00dfenabnutzung sowie Gesundsheitseffekte (Stress, Unf\u00e4lle etc.), welche nicht von Steuern und Abgaben gedeckt sind. F\u00fcr den eigenen Geldbeutel sind die Ersparnisse sogar noch gravierender. Radfahren und damit Gutes tun \u2013&nbsp;es ist so einfach.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Fahrradindustrie ist ein echter Jobmotor in Deutschland.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Bei jeder gesellschaftlichen Debatte rund ums Auto kommt schnell das Argument, die Autoindustrie sei wichtiger Jobmotor und Wirtschaftsfaktor \u2013 und das stimmt nat\u00fcrlich. Allerdings trifft das auch auf die Fahrradindustrie zu: Wie eine aktuelle Studie zeigt, sind 281.000 Besch\u00e4ftigte in der Fahrradbranche t\u00e4tig. Der Wirtschaftszweig setzt pro Jahr 37,7 Milliarden Euro rund ums Thema Fahrrad um. Dazu geh\u00f6ren Fahrr\u00e4der, Komponenten, Taschen, Kleidung, aber auch die Einnahmen touristischer Betriebe durch Radurlauber. Beeindruckende Zahlen, welche die Relevanz des Rades als Wirtschaftsfaktor deutlich unterstreichen. Die Studie wurde vom Wuppertal Institut f\u00fcr Arbeit und Technik der Westf\u00e4lischen Hochschule im Auftrag vom Bundesverband Zukunft Fahrrad (BVZF), Verbund Service und Fahrrad (VSF) und dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in einem Zeitraum von 2013\u20132018 durchgef\u00fchrt. F\u00fcr das Jahr 2020 sind die Zahlen dank des enormen Booms garantiert noch beeindruckender!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir lieben Ordnung. Das sieht man auch bei den Radwegen. Aber dann auch wieder nicht.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Ordnung muss sein, vor allem bei uns in Deutschland. Die Ordnungswut, sie macht auch nicht vor dem Radweg halt &#8211; oder besser: der Vielzahl an Arten von Radwegen. Denn nat\u00fcrlich gibt es in Deutschland nicht einfach nur den einen Radweg. Es gibt: Radfahrstreifen, Schutzstreifen, Seitenstreifen, die Fahrradstra\u00dfe, Radschnellwege und freigegebene Gehwege. Je nach Radweg gelten f\u00fcr den Nutzer unterschiedliche Rechten und Pflichten. Typisch Deutsch eben. Das Dilemma: Sie alle hier voll umf\u00e4nglich vorzustellen, w\u00fcrde den Rahmen sprengen. Nat\u00fcrlich macht es im Grunde auch Sinn. Unterschiedliche Fahrsituationen brauchen unterschiedliche Standards. Nur das mit den Standards hat sich leider noch nicht durchgesetzt, da die jedes Bundesland einzeln definiert. Das ist in vielen deutschen Nachbarl\u00e4ndern anders. Ein Radschnellweg sieht z.B. in den Niederlanden immer gleich aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Radwegebenutzungspflicht \u2013&nbsp;ein typisches deutsches Wort mit deutschen Regeln.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Ja, wir lieben zusammengesetzte Substantive. Ein klassisches Beispiel ist die Radwegebenutzungspflicht. Dahinter verbirgt sich die Regelung, wann Radwege genutzt werden m\u00fcssen. In der StVO steht dazu: Radwege <em>m\u00fcssen<\/em> immer dann genutzt werden, \u201ewenn die jeweilige Fahrtrichtung mit Zeichen 237, 240 oder 241 gekennzeichnet ist. Andere rechte Radwege <em>d\u00fcrfen<\/em> sie benutzen. Sie d\u00fcrfen ferner rechte Seitenstreifen benutzen, wenn keine Radwege vorhanden sind und Fu\u00dfg\u00e4nger nicht behindert werden.\u201c Vereinfacht gesagt: Gibt es ein rundes blaues Schild mit einem Fahrrad darauf, muss der Weg benutzt werden. Nat\u00fcrlich gibt es dann auch wieder Ausnahmen. Radfahrer d\u00fcrfen nicht dazu gezwungen werden, sich selbst in Gefahr zu bringen, indem sie die Benutzungspflicht einhalten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn im Winter die Radwege nicht vern\u00fcnftig ger\u00e4umt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der teuerste Radweg Deutschlands\u2026<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">\u2026 entsteht in Hessen, zwischen den Orten Lorchhausen und R\u00fcdesheim. Spatenstich war bereits im Jahr 2006; fertiggestellt werden soll der Weg im Jahr 2023. Er verl\u00e4uft zum Teil auf einer Art Balkon \u00fcber dem Rhein. Kosten f\u00fcr die 11,3 km lange Strecke am Ende: Vermutlich 115 Millionen Euro. <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/bauarbeiten-am-teuersten-radweg-deutschlands-gehen-weiter-16579138.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">Klingt unfassbar teuer und das ist es auch<\/a>, denn geplant waren einmal 39 Millionen. Nat\u00fcrlich gab es die \u00fcblichen Kostenfallen (Blindg\u00e4nger, Denkmalschutz, Hochwasserschutz). Wir wollen allerdings auch ehrlich sein: der Radweg war der Anlass f\u00fcr die Bauarbeiten, aber die kosten beinhalten auch die Verbreiterung der anliegenden Bundesstra\u00dfe. Zum Vergleich: Allein ein einziger Kilometer des neuen Freiburger Stadt-Tunnels kostet rund 163 Millionen Euro. In der Regel kostet ein Kilometer Autobahn zwischen sechs und 20 Millionen Euro. Ein gew\u00f6hnlicher Kilometer Radweg dagegen liegt bei etwa 100.000 bis 200.000 Euro.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unsere Radwege sind leider oft noch unsicher<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Traurig, aber wahr, das ist das Ergebnis unz\u00e4hliger Studien. Selbst der Automobilclub ADAC hat in einer Untersuchung in zehn Landeshauptst\u00e4dten festgestellt, dass jeder dritte Radweg in deutschen St\u00e4dten zu schmal ist. Die Stadt M\u00fcnchen empfiehlt seinen B\u00fcrger h\u00e4ufig sogar, besser die Stra\u00dfe als den Radweg zu nutzen. Der Grund: auf dem Radweg werden Fahrradfahrer sp\u00e4ter erkannt und das Unfallrisiko steigt. Positiv hat sich entwickelt, dass in der ersten Phase der Corona-Pandemie schnell und unb\u00fcrokratisch reagiert wurde, als in vielen deutschen St\u00e4dten Pop-Up-Radwege entstanden sind. Jetzt gilt es, dass diese auch fest etabliert werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Es gibt Hoffnung \u2013 immer mehr Geld f\u00fcr die Rad-Infrastruktur<\/h2>\n\n\n\n<p>Erst k\u00fcrzlich gab der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer bekannt: \u201eWir wollen Deutschland zum Fahrradland machen!\u201c Dass das nicht \u00fcber Nacht funktioniert, ist klar. Was dabei aber sicher hilft, sind die 1,46 Milliarden Euro, die mit dem \u201eRadverkehrsplan 3.0\u201c, bis 2023 flie\u00dfen sollen. Ziel ist es, den Radverkehr im Land zu verdoppeln. Das bedeutet, dass wir Deutschen bis 2030 schon 240 Millionen Kilometer mit dem Rad auf sicheren Wegen zur\u00fccklegen \u2013 und zwar am Tag. Daf\u00fcr ist auch geplant, die Raumverteilung neu zu denken und Fl\u00e4chen, die aktuell vom Autoverkehr genutzt werden, umzuwandeln. Wie schnell diese Transformation jedoch geschieht, h\u00e4ngt stark von den St\u00e4dten und Kommunen ab. Sie m\u00fcssen die Ma\u00dfnahmen planen, beauftragen und Antr\u00e4ge stellen. In einer Studie in M\u00fcnchen wurden die im letzten Jahre errichteten Pop-Up Radwege ausgewertet, um daraus weitere Planungsma\u00dfnahmen abzuleiten. Dabei wurde aufgrund des geringen Feedbacks aus der Bev\u00f6lkerung die Ma\u00dfnahme zum Teil in Frage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Es liegt also auch an uns, auf lokaler Ebene mehr Infrastruktur f\u00fcr den Radverkehr einzufordern und die <a title=\"\" href=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/mobilitaet-der-zukunft-mit-e-bike-und-fahrrad\/\" target=\"\" rel=\"noopener\">Mobilit\u00e4t der Zukunft<\/a> zu gestalten \u2013 lasst es uns angehen. Oder besser: erfahren!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Die erste Studie von G\u00f6ssling und Choi zu den Kosten des Autofahrens f\u00fcr die Gesellschaft<\/li>\n\n\n\n<li>Die zweite Studie von G\u00f6ssling und Choi<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.adac.de\/rund-ums-fahrzeug\/tests\/fahrrad\/radwegbreiten\/\" target=\"\" rel=\"noopener\" title=\"\">Der ADAC erkl\u00e4rt, welche Radwege es gibt<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvzo_2012\/\" target=\"\" rel=\"noopener\" title=\"\">Die Stra\u00dfenverkehrsordnung<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/muenchenunterwegs.de\/angebote\/pop-up-fahrradwege-in-muenchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">So steht es um die Pop-Up Fahrradwege in M\u00fcnchen<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/web.de\/magazine\/politik\/steuerzahlerbund-extrem-teuren-radweg-33861460\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">Darum entsteht in Hessen Deutschlands teuerster Radweg<\/a>.<\/li>\n\n\n\n<li>So viele (neue) Fahrr\u00e4der und E-Bikes wurden 2020 in Deutschland verkauft<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutschland ist das Land der Dichter und Denker. 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