{"id":26396,"date":"2023-01-12T09:42:50","date_gmt":"2023-01-12T08:42:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diamantrad.com\/?p=26396"},"modified":"2025-07-29T16:39:31","modified_gmt":"2025-07-29T14:39:31","slug":"koepfchen-spricht-diamantrad-podcast-nr-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diamantrad.com\/de-DE\/blog\/koepfchen-spricht-diamantrad-podcast-nr-8\/","title":{"rendered":"\u201eK\u00f6pfchen spricht\u201c \u2013 Diamantrad Podcast Nr. 8"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"db-intro\">Annie fuhr 2019 mit ihrem Diamant Elan von Berlin bis zum Nordkap. 2020 folgte ein Ultramarathon \u00fcber 1000km vom tiefsten zum h\u00f6chsten Punkt Deutschlands. Ihr j\u00fcngstes Langstreckenprojekt hei\u00dft Chasing Currents. Ein Mix aus Bikepacking und Rafting. In dieser Podcast-Folge, Episode 8, erz\u00e4hlt Annie von ihrer Expedition entlang und auf der Elbe. Sie nimmt dich mit an den Start der Tour und erkl\u00e4rt uns, wie ein solches Abenteuer als Schwangere \u00fcberhaupt m\u00f6glich war.<\/p>\n\n\n\n<p> <div class=\"brlbs-cmpnt-container brlbs-cmpnt-content-blocker brlbs-cmpnt-with-individual-styles\" data-borlabs-cookie-content-blocker-id=\"default\" data-borlabs-cookie-content=\"PGlmcmFtZSBzdHlsZT0iYm9yZGVyLXJhZGl1czogMTJweDsiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly9vcGVuLnNwb3RpZnkuY29tL2VtYmVkL2VwaXNvZGUvN25wRDVaWlFqb21KeG5VQVpBVXBraT91dG1fc291cmNlPWdlbmVyYXRvciIgd2lkdGg9IjEwMCUiIGhlaWdodD0iMzUyIiBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPSJhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4iPjwvaWZyYW1lPg==\"><div class=\"brlbs-cmpnt-cb-preset-a\"> <p class=\"brlbs-cmpnt-cb-description\">You are currently viewing a placeholder content from <strong>Default<\/strong>. To access the actual content, click the button below. 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Wir w\u00fcnschen Dir viel Spa\u00df beim H\u00f6ren!<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung<\/h3>\n\n\n\n<p>Lorena: Herzlich Willkommen zum Diamant Podcast \u201eK\u00f6pfchen spricht\u201c. Wir sind heute zu dritt, unter anderem Thomas, und wir haben wieder einen externen Gast oder externe G\u00e4stin. Das ist Annie. Wir haben mit ihr schon ein bisschen eine Reise hinter uns, kennen sie schon l\u00e4nger, und heute d\u00fcrfen wir \u00fcber ein ganz spezielles Ereignis sprechen. Thomas, stell uns doch Annie direkt mal vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: Ich erinnere mich, es ist ungef\u00e4hr zweieinhalb, drei Jahre her. Da sa\u00df ich an meinem Schreibtisch und mein Telefon hat vibriert, und ich bekomme auf mein Telefon ja auch die Notifications, wenn Leute auf unsere Beitr\u00e4ge einen Kommentar hinterlassen oder uns in ihren Beitr\u00e4gen auf Social Media markieren. Und so war das auch an dem Tag, und ich habe mir das auch angeschaut. Das war irgendwie so ein junges, rothaariges M\u00e4dchen, relativ blasse Haut, dunkelblauer Parka, irgendwo in einer sehr kalten Landschaft. Nichts Spezielles vom Bild, aber ich habe dann den Text gelesen und das hat mich durchaus gepackt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das M\u00e4chen hat uns noch zwei- dreimal irgendwo markiert. Irgendwann hab ich zum Lars, den man aus dem Podcast ja auch kennt, gesagt: Lars, komm lass uns ihr einfach ein T-Shirt schicken, das ist doch cool. Die ist mit ihrem ganz einfachen Diamantrad bis ans Nordkap gefahren. Und das ist Annie, und so kennen wir sie ja auch von unserem Blog aus der Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Sommer wollte sie eigentlich nicht mit dem Fahrrad fahren, sondern mal eben so die Elbe runterschwimmen. Das hat dann nicht ganz so funktioniert, und was dann funktioniert hat, warum es nicht ganz funktioniert hat, all das ist Thema vom Podcast heute. Aber erstmal sag ich: Hallo, Annie!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Annie: Hallo!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Idee hinter Chasing Currents<\/h3>\n\n\n\n<p>Thomas: Annie, wie bist du \u00fcberhaupt auf die Idee gekommen, die Elbe runterzuschwimmen?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Das klingt jetzt erstmal nicht so intuitiv, aber nach der Nordkap-Tour, wo ich ungef\u00e4hr dreitausend Kilometer solo gebikepacked bin \u2013 also mit dem Fahrrad gefahren bin \u2013 wollte ich das folgende Jahr nochmal so eine Tour machen. Aber dann kam 2020, COVID, und dann habe ich stattdessen mir \u00fcberlegt, ich k\u00f6nnte ja laufen gehen. Dadurch, dass man auch nichts anderes machen konnte als um den eigenen Block zu rennen, habe ich dann angefangen mit dem Joggen. Vorher fand ich das ganz, ganz schrecklich, und dann eines Tages lag bei der Mitbewohnerin meines Freundes ein \u201eIn 20 Wochen zum Marathon\u201c-Buch auf dem Tisch und habe das gelesen. Ich dachte, ich habe gerade eh nichts Besseres zu tun, die ganzen Kletterhallen haben zu, man darf sich eh nicht soweit raus bewegen, fange ich doch mal an, f\u00fcr einen Marathon zu trainieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und als ich nach ungef\u00e4hr f\u00fcnf Monaten Training f\u00fcr einen Marathon fertig war, habe ich mir \u00fcberlegt, wie w\u00e4re es denn mit einem Ultra-Marathon? Und bin dann von der tiefsten Stelle Deutschlands zur h\u00f6chsten Stelle Deutschlands gerannt, das waren ungef\u00e4hr tausend Kilometer. Und als ich dann \u00fcberlegt habe, was mache ich als n\u00e4chstes Langstreckenprojekt \u2013 Fahrradfahren habe ich gemacht, ich ibn gelaufen \u2013 da fehlt f\u00fcr ein Ultra-Triathlon ja nur noch das Schwimmen. Und dann habe ich damit einfach ein Projekt \u00fcberlegt, wo ich 630km der Elbe schwimmen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist dann aber ein bisschen anders geendet als geplant.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-dominant-color=\"7c6483\" data-has-transparency=\"false\" style=\"--dominant-color: #7c6483;\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1917\" height=\"990\" sizes=\"auto, (max-width: 1917px) 100vw, 1917px\" src=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818.avif\" alt=\"\" class=\"wp-image-26420 not-transparent\" srcset=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818.avif 1917w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818-300x155.jpg 300w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818-768x397.jpg 768w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818-1024x529.jpg 1024w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5818-1536x793.jpg 1536w\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"wp-block-group mb-5\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Mehr \u00fcber Annie:<br><\/strong>Auf <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/thebotbeyondthebrainz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">@thebotbeyondthebrainz<\/a> erf\u00e4hrst du mehr \u00fcber die Geschichten und Abenteuer von Annie. Viel Spa\u00df beim Entdecken.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist Bikerafting?<\/h3>\n\n\n\n<p>Lorena: Du wolltest eigentlich schwimmen, sp\u00e4ter hast du dich f\u00fcr Bikerafting entschieden. Vielleicht ganz kurz: Was ist Bikerafting und wieso war es dann am Ende eben Bikerafting?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Bikerafting habe ich das erste Mal auf Social Media entdeckt, ein Bild von zwei Bikepackern, die durch Kanada, glaube ich, gefahren sind. Die sind an einen Fluss gekommen, weit und breit keine Br\u00fccke, weil sie in der absoluten Wildnis waren. Und dann haben die beiden aber ein Packraft, ein aufblasbares Boot, rausgeholt aus ihrem Gep\u00e4ck. Packrafts sind sehr, sehr klein, die kann man \u00fcberall unterbringen, wenn man sie gut faltet, kann man sie auf die Gr\u00f6\u00dfe einer K\u00fcchenpapierrolle runterfalten. Und sie wiegen zwischen 1-2 Kilo, sind also wirklich sehr sehr leicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: Wir haben uns ja vor zwei Wochen in Berlin getroffen, da hast du die Geschichte erz\u00e4hlt und hattest dieses Packfraft dabei. Liebe Zuh\u00f6rer, das kann man sich so vorstellen von der Gr\u00f6\u00dfe, wenn es aufgeblasen ist, wie so eine Pool-Banane und hat auch ungef\u00e4hr die gleiche Farbe. Und wenn es wieder zusammengefaltet ist, wie ein guter, moderner Schlafsack.<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Genau, es ist wirklich sehr klein. Und diese 2 Bikepacker haben das genommen, um \u00fcber den Fluss zu kommen. Und so bin ich dann auf das Konzept von BIkerafting gekommen. Das Fahrrad wird dann vorne auf das Packraft drauf gebunden, man nimmt daf\u00fcr meistens noch das Vorderrad ab, damit man den Lenker besser zurechtlegen kann. Das abgenommene Rad kommt dann oben drauf. Und dann geht\u2019s los, dann kommt man \u00fcber den Fluss \u2013 oder man kann auch mit dem Fluss gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und daf\u00fcr hab ich mich dann entschieden, aus der Kombination Fahrradfahren und Packraften Bikerafting gemacht und damit die Elbe von Quelle bis M\u00fcndung abgetuckert. Und die Ursache daf\u00fcr war, dass ich zwei Monate, bevor es losgeht, habe ich festgestellt: Ich werde nicht alleine unterwegs sein, ich bin schwanger. *lacht* Und die Elbe ist extrem pestizidbelastet, auch wenn es in den letzten paar Jahren abgenommen hat. Ich habe mit einigen Umweltexperten geredet und sie gefragt, wie das denn w\u00e4re, wenn ich jetzt darin schwimmen w\u00fcrde. Und der Konsens war: Mach es bitte nicht. Zumindest, wenn du auf Nummer sicher gehen willst.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wollte trotzdem noch das Projekt machen, daher habe ich das ein wenig umgeworfen, die Strecke fast verdoppelt und dann, wie gesagt, mit Fahrrad und Packraft losgezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: &nbsp;Du nennst deine Expeditionen \u201eGreat bad ideas\u201c. War das Bikerafting jetzt eher eine great oder eine bad idea?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: A great idea. (lacht) Packraften macht super viel Spa\u00df. Allein die ganzen Wanderwege, die das einem er\u00f6ffnet. Ich habe dadurch eine andere Abenteuerin kennengelernt, Kathi Kneip, die jetzt im Januar ihre arktische Weltumrundung startet, auch mit dem Packraft, und zu Fu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Wir waren ganz alleine teilweise, einfach in unseren Packrafts auf dem Fluss, da war niemand sonst, weil die Elbe ja extremen Tiefstand hatte. Ich liebe das Packraft, es ist ein wunderbares Vehikel, um voranzukommen. Und besonders in Kombination mit dem Fahrrad \u2013 man ist so flexibel, das ist einfach geil.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wer ist Annie?<\/h3>\n\n\n\n<p>Thomas: Also in jedem Fall war der Abenteuerdrang in dir drin. Vielleicht m\u00fcssen wir da nochmal ganz gro\u00df ausholen und \u00fcberhaupt sagen: Okay, dieses kleine rothaarige M\u00e4dchen im blauen Parka, das ans Nordkap gefahren ist, einmal durch Deutschland gelaufen ist, dann erst die Elbe runterschwimmen wollte und dann mit dem Flo\u00df und Fahrrad entlang reisen wollte: Vielleicht ist der Eindruck entstanden, du bist die mega Abenteuerin. Aber wer bist du eigentlich im realen Leben?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie (lacht): Ich bin Neurowissenschaftlerin, ausgebildete Biochemikerin. In Richtung der Neurowissenschaften habe ich erst in den letzten ungef\u00e4hr sechs Jahren gewechselt, arbeite auch an meiner Doktorarbeit zu den Themen, speziell Lernen und Ged\u00e4chtnis. Ich komme eigentlich aus dem Klettersport, das waren H\u00f6henmeter, nicht allzu viele H\u00f6henmeter auf einmal, das war eher meine Nische, in der ich viel gemacht habe. Das mit dem ganzen Langstreckensport kam deutlich sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: Und bist du so auch eine klassische Leistungssportlerin oder mehr im Ursprung eigentlich ein Freizeitathlet, Klettern am Wochenende mit Freunden?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ich habe fr\u00fcher Wettk\u00e4mpfe mitgemacht im Kletterbereich und habe auch sehr, sehr hart trainiert. Ich w\u00fcrde sagen, dass ich mich auch ziemlich effektiv ins Overtraining Syndrome reintraineirt habe. Dabei habe ich gemerkt, dass ich langsam die Liebe f\u00fcr den Klettersport verliere, weil ich sehr von Leistung getrieben war. Und seitdem ich mich davon versucht habe zu l\u00f6sen, dadurch bin ich auch zu diesen Langstreckenabenteuern gekommen, weil es besser passt zu dem, worum es mir wirklich geht, n\u00e4mlich: Ich m\u00f6chte eine Geschichte erleben. Ich m\u00f6chte Leute kennenlernen auf der Strecke, wissen, wie die leben, mir Zeit daf\u00fcr nehmen. Und nicht mehr von irgendwelchen Zahlen und Leistung getrieben werden, sondern einfach im Moment wahrnehmen, wo ich bin und die Geschichte dieser Tour wirklich wahrnehmen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image mb-5\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-dominant-color=\"377488\" data-has-transparency=\"false\" style=\"--dominant-color: #377488;\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1080\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" src=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066.avif\" alt=\"\" class=\"wp-image-25956 not-transparent\" srcset=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066.avif 1920w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/IMG_7066-1536x864.jpg 1536w\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Warum die Elbe?<\/h3>\n\n\n\n<p>Thomas: Was ist die Geschichte der Elbe?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ich bin an der Elbe geboren in Magdeburg und auch, wenn ich nicht direkt an ihr aufgewachsen bin, sondern mit 11 dann wieder zu ihr zur\u00fcckgekommen bin, nachdem wir eine Zeitlang in Amerika gelebt haben als Familie, wollte ich einfach diesen Fluss besser kennenlernen. Denn f\u00fcr mich war es immer extrem faszinierend, wo denn all dieses Wasser herkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und die Elbe hat ja auch viele \u00dcberflutungen in der Zeit durchgemacht, wo ich dort gelebt habe, und ich fand es immer extrem beeindruckend, was dieser Fluss f\u00fcr eine Kraft hatte, wie sie einfach gemacht hat, was sie wollte, und ich wollte einfach wissen: Wo kommt das her und wo geht das hin? Und deswegen war f\u00fcr mich diese Tour sehr sehr wichtig und explizit diesen Fluss n\u00e4her kennenzulernen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group mb-5\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p><strong>Hinweis von Diamantrad:<br><\/strong>M\u00f6chtest du mehr \u00fcber dieses Bikerafting-Abenteuer erfahren? Annie erz\u00e4hlt ihre Geschichte auch in unserer Blogserie <a href=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/blog\/bikerafting\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">Bikerafting entlang und auf der Elbe &#8211; Teil 1-7<\/a>. Wir w\u00fcnschen Dir viel Spa\u00df beim Lesen!<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Am Start der Elbquelle<\/h3>\n\n\n\n<p>Lorena: Nimmst du uns mal mit an den Start? Auf die ersten Tage dieser Tour?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Also als ich fr\u00fcher an der Elbe gesessen habe und gefragt habe \u201eWo kommt die jetzt eigentlich her?\u201c, habe ich irgendwann mal nachgelesen: Die kommt aus dem tschechischen Riesengebirge. Da habe ich mir sowas vorgestellt wie die Alpen, aber in Tschechien (lacht), und dass sie dann da durchflie\u00dft. Ich hatte ab und zu geh\u00f6rt \u201eMan muss die D\u00e4mme jetzt hochbringen, um die Flut hier bei uns in Magdeburg abzuschw\u00e4chen\u201c. Und ich hatte mir vorgestellt, dass das ein rei\u00dfender, wei\u00dfer Fluss so \u00e4hnlich wie der Rhein an der Rheinquelle ist, also schon was Heftiges.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann sind wir da nach Spindlerm\u00fchle in Tschechien gefahren. Ich sage wir, weil ich auch noch ein Filmteam mit dabei hatte, die die ganze Reise dokumentiert hat. Und wir sind dann zu der Quelle hingewandert, hingerannt in meinem Fall, und dann war da einfach nur dieser Block, so ein M\u00fchlenstein. Da war Wasser drin, das Wasser war sehr unbeweglich, ab und zu kam eine kleine Luftblase hoch. Es war kaum Bewegung am Start, dieser Fluss ist an der Quelle also sehr, sehr ruhig. Ich w\u00fcrde das fast als Pf\u00fctzchen bezeichnen (lacht), und hatte absolut gar nichts mit dem zu tun, wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war deutlich kleiner.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in dem Moment war es auch noch viel surrealer, weil ich hatte mir das immer als etwas Magisches vorgestellt, die Elbquelle kennenzulernen, und dann stand ich da, umgeben von drei\u00dfig anderen Touristen, die sich auch die Quelle angucken wollten, \u00fcber mir schwebte eine Drohne, die das filmisch einfangen sollte, und alle haben mir zugeguckt, wie ich diese Quelle anfasse. (lacht) Das war deutlich anders, als ich mir das vorgestellt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: Dann ging es irgendwann los. Da war ja unter anderem das Raft, da war Mango \u2013 also das Diamant 135 \u2013 da warst du, nicht zu vergessen, mit Baby im Bauch. Und da war aber auch noch diese unglaubliche Hitzewelle. Woher hattest du die Energie, die Tour wirklich auch zu starten und fortzuf\u00fchren?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Urspr\u00fcnglich war mein Plan, ungef\u00e4hr 100-120 Kilometer mit dem Rad zu fahren und dann so schnell wie m\u00f6glich auf das Packraft umzusatteln. Ich bin in Tschechien extrem schleppend vorangekommen, eben weil es super warm war. Wir hatten glaube ich 38\u00b0C. Ich hab mir jeden Tag gew\u00fcnscht, dass es am n\u00e4chsten Tag vielleicht ein bisschen entspannter ist. Die Hitzewelle hielt aber bis zum Ende der Tour. Ich hatte vielleicht drei Tage, wo es nicht hei\u00df war, da gab es dann aber Gewitter (lacht). Und ich bin dann auf das Packraft erst umgestiegen in der N\u00e4he von D\u011b\u010d\u00edn, eine gr\u00f6\u00dfere Stadt davor. Obwohl ich vorher schon h\u00e4ufiger am Fluss stand und auch das Packraft aufgepumpt hatte, alles schon aufgebunden hatte, und mir dann vorgestellt habe, bei 39\u00b0 ohne Schatten einfach komplett verbrutzelnd auf diesem Fluss mich voran zu bewegen. Und ich konnte es nicht \u00fcber mich hinwegbringen und dachte, ich sterbe an einem Hitzeschlag. Ich habe es dann zweimal wieder zusammengepackt und bin dann doch mit dem Fahrrad weiterfahren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Und wenn ich auf diesen Touren bin, dieses Weiterkommen \u2013 solange man gestartet ist, finde ich das Weiterkommen relativ machbar. Man muss den schlimmsten, schwierigsten Schritt \u00fcberleben, an die Startlinie zu kommen. Dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass man auch die Zielgerade erwischen wird. Und da war f\u00fcr mich einfach die Hitze zwar ein Problem, aber ich habe dann versucht, dem entgegenzusteuern, indem ich fr\u00fcher anfange oder viel sp\u00e4ter in die Nacht reinfahre und versucht habe, diese k\u00fchleren Stunden abzupassen und mich mittags in den Schatten zu legen und zu schlafen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Herausforderung weniger zu machen<\/h3>\n\n\n\n<p>Thomas: Wie viel hast du denn geschlafen an einem typischen Tag? Wie sah so der Tag insgesamt aus?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Einen typischen Tag gab es nicht. Allgemein habe ich versucht, sp\u00e4testens zwischen sechs und sieben aufzustehen. Dann, bis alles aufger\u00e4umt war, wieder auf dem Boot oder Fahrrad war, hat das ungef\u00e4hr 1,5 Stunden gedauert. Ich bin morgens nicht die schnellste Person (lacht), und dann ging es los.<\/p>\n\n\n\n<p>So gegen 1 Uhr, wenn die Hitze richtig anfing, unertr\u00e4glich zu werden, habe ich Pause gemacht, was gegessen, und eine halbe Stunde geschlafen. Und dann habe ich wieder eine Stunde gebraucht, loszukommen, weil die Hitze immer noch unertr\u00e4glich war. Ich bin dann meistens weitergefahren bis relativ sp\u00e4t in die Nacht, so bis elf. Das war ja irgendwie machbar. Das Diamant 135 hat auch ein sehr, sehr gutes Licht vorne (lacht), also man kann sich wirklich noch weiter bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann verschob sich mein ganzer Rhythmus immer weiter nach hinten, weil ich musste die Strecke noch aufholen, die ich w\u00e4hrend des hei\u00dfen Tages nicht geschafft habe. Und dann wurde es Mitternacht, 1, 2 Uhr. Dementsprechend bin ich dann nicht mehr um 6 aus dem Bett gekommen und dann hat sich der Tagesrhythmus verschoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: Ich glaube, dein Freund war es, er fragte dich mal: Hey Anni, wei\u00dft du, was du da tust?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ja, das war auch an einem sehr anstrengenden Tag gewesen. Da war sehr viel Wind. Das Filmteam war dieses Mal bei mir. Wir haben das Ganze so organisiert, dass sie mich prinzipiell in Ruhe gelassen haben, sodass es immer noch self-supported war. Ich habe kein Essen von ihnen angenommen und mir auch noch sonderlich etwas zugespielt. Dann hatten wir relativ kurz geschlafen, es war sehr windig gewesen, und ich bin in meinem Packraft einfach eingepennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich hatte ihm das dann so erz\u00e4hlt, \u201eDas ist wirklich sehr, sehr anstrengend hier\u201c, und er fragte mich: Was machst du da eigentlich? Wei\u00dft du, was du da machst und wie du mit dir selber gerade umgehst? Du wei\u00dft schon, dass dein K\u00f6rper gerade doppelte Leistungen bringen muss?\u201c Und das war auch der Punkt, wo ich gesagt habe: Okay, vielleicht muss ich wieder ein bisschen runterschrauben. Wusste ich, was ich da mache? Ich wollte einfach vorankommen. Wusste ich, wo meine k\u00f6rperlichen Grenzen waren? Die haben sich gef\u00fchlt jeden Tag weiter verschoben. Die Person, die ich am Start war, war ich definitiv nicht mehr am Ende. Das hat man auch daran gemerkt, dass ich am ersten Tag 120km mit dem Rad fahren konnte, und am letzten Tag waren teilweise 35km schon Limit.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: Also war das das Baby, das so ein bisschen den Rhythmus vorgegeben hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ja, absolut. Ich habe \u00fcberhaupt nicht damit gerechnet, wie viel Einfluss das doch haben w\u00fcrde. Ich hatte mir gew\u00fcnscht, dass ich \u2013 ich kann mich auf meinen Touren normalerweise sehr gut auf meinen K\u00f6rper verlassen, ich wei\u00df, was er mir geben kann, was ich ihm geben muss. Und in diesem Fall hat sich das einfach nicht richtig einpendeln wollen. Sondern der wollte immer mehr von mir, immer mehr Pausen, mehr Essen, und immer mehr R\u00fccksicht. Und da musste ich dann irgendwann einknicken und sagen: Ok, dann kriegst du das halt.<\/p>\n\n\n\n<p>Da war auch ein Gespr\u00e4ch mit einer Freundin Anna, die auch so eine Expedition macht und auch die letzte Expedition schwanger gemacht hat, sehr sehr wichtig, die mir dann gut zugeredet hat und auch immer wieder mal gesagt hat: Du wei\u00dft schon, dass du eine Pause machen kannst und auch musst?<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: Das ist ja das Mentale beim Abenteuer oft, dass man sich anfeuern muss: Du wei\u00dft schon, du kannst noch mehr machen. F\u00fcr dich jetzt eben diese spezielle Herausforderung: Du wei\u00dft schon, du kannst auch weniger machen. Wie trainierst du dich mental? Wie bereitest du dich mental auch so auf ein langes Abenteuer vor?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ich versuche mir vorzustellen, was die schwierigen Aspekte sein k\u00f6nnten. Ich finde die ersten Wochen am anstrengendsten, wenn man sich auf das ganze Projekt einl\u00e4sst. Man hat noch nicht das Selbstbewusstsein aufgebaut, der Rhythmus ist noch nicht ganz drin, der Magen spielt verr\u00fcckt, weil man nerv\u00f6s ist, und zu wissen, dass man in den ersten paar Tagen besonders vorsichtig mit sich selbst umgehen muss, nicht zu sehr pushen, dann lieber am Ende nochmal, als am Anfang sich direkt einmal kaputtzumachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Attit\u00fcde komme ich relativ weit. Es ist diese Einstellung von: Ich bin da, wenn ich da bin. Ich werde schon irgendwie hinkommen und bis dahin muss man einfach Ruhe bewahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: Also du bist schon eher die Macherin. Akribische Vorbereitung, Planung, das ist nicht so dein Ding?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie (lacht): Es kommt auf die Gr\u00f6\u00dfe des Projekts an. Diese drei Projekte waren relativ nah an bestehender Infrastruktur. Das erlaubt f\u00fcr viel mehr Fehler. Wenn ich nicht gen\u00fcgend Essen habe, ist das extrem nervig, aber ich werde nicht verhungern. Ich kann immer Leute fragen, ob sie mir helfen. Das ist was ganz anderes, wenn ich jetzt auf eine Expedition in die Arktis gehe, wo ich komplett abgeschnitten bin und ich habe f\u00fcr einen Tag zu wenig essen eingepackt, habe ich tats\u00e4chlich echte gro\u00dfe Konsequenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber dadurch, dass auch viel von diesem Abenteuer davon lebt, dass Dinge schiefgehen und nicht funktionieren, lasse ich schon relativ viel Spielraum (lacht) f\u00fcr ausbauf\u00e4hige Planung. Um einfach auch dem Zufall in die H\u00e4nde zu spielen, denn man lernt Leute kennen, meistens in den Momenten, wo man so richtig auf die Fresse gefallen ist (lacht) und nach Hilfe fragen muss, oder wo man sich einfach noch mehr aus der Komfortzone bewegen muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Eine Tour, wo ich jetzt geplant habe: Ok, ich fahre hier um 8 Uhr los, um 18 Uhr bin ich bei diesem Hostel und bei diesem Zeltplatz, das ist nicht meine Art zu touren. (lacht)<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Geschichten erleben<\/h4>\n\n\n\n<p>Thomas: So hab ich das fr\u00fcher gemacht \u2013 mache ich heute aber auch nicht mehr. Du hast vorhin gesagt, das was dich interessiert, sind die Geschichten, die du unterwegs erlebst, und die Menschen, denen du unterwegs begegnest. Nimm uns da nochmal mit \u2013 vielleicht gibt es da so einen speziellen Menschen, der dir in Erinnerung geblieben ist von der Reise entlang der Elbe?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: An der Elbe hatte ich den Moment, das war auch nach einem Gespr\u00e4ch mit Anna, wo ich gesagt habe: Ich komme hier gar nicht voran, irgendwie nervt mich das alles total, mein K\u00f6rper bringt nicht die Leistung, die ich m\u00f6chte. Und sie hat gesagt: Warum machst du dir denn so viel Druck? Lernst du \u00fcberhaupt gerade die Leute kennen, die an dem Fluss sind? Da habe ich \u00fcberlegt und gedacht: Ne, nicht so richtig, weil ich die ganze Zeit Strecke machen m\u00f6chte. Und ich habe weiter dar\u00fcber nachgedacht, dass mir das auch gar nicht so gut gef\u00e4llt, und habe an dem Tag relativ fr\u00fch abgebrochen. Das war in der N\u00e4he von Riesa, und habe mich dort einfach an einen wundersch\u00f6nen alten Baum mit meinem Zelt drunter gelegt und bin dann relativ fr\u00fch eingeschlafen, um vier Uhr morgens aufgewacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Nebel ging so von der Elbe hoch, es war wirklich wundersch\u00f6n, und dann kommt ein Mann auf mich zu. Der hat sich dann gefragt, was ich denn da mache, und ich hab einfach extrem langsam mit meinem Fr\u00fchst\u00fcck weiter gemacht, um mich mit ihm zu unterhalten, und hab ihn gefragt, wie das denn ist f\u00fcr ihn an der Elbe. Und es stellte sich raus, dass er sein gesamtes Leben dort gelebt hatte und dass er nie auf die Idee kommen w\u00fcrde, sich diese Elbe von Anfang bis Ende anzugucken, weil er sie kennengelernt hatte zu einem Zeitpunkt, als die Elbe noch, wie er sagte, zum Himmel stank. Da wollte er nichts mit diesem Fluss zu tun haben, daher hat er ihn einfach nicht interessiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann hat er mir von seinem Leben erz\u00e4hlt und warum er auch nicht weg geht, das war auch, weil seine Frau, die vor ein paar Jahren verstorben war, mit der hatte er so viele Momente dort geteilt, und es kam ihm gar nicht in den Sinn, dort wegzugehen. Er konnte gar nicht mehr. Und irgendwie war das f\u00fcr mich dieser Morgen mit ihm, dieses Gespr\u00e4ch, sehr sehr wichtig, um wieder zu merken, wer hier an der Elbe wohnt, wie dieser Fluss doch \u2013 selbst wenn er stinkt (lacht) und irrelevant wirkt \u2013 trotzdem ein massiver Teil im Leben von den Leuten ist.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image mb-5\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img data-dominant-color=\"83698a\" data-has-transparency=\"false\" style=\"--dominant-color: #83698a;\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1915\" height=\"981\" sizes=\"auto, (max-width: 1915px) 100vw, 1915px\" src=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806.avif\" alt=\"\" class=\"wp-image-26412 not-transparent\" srcset=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806.avif 1915w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806-300x154.jpg 300w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806-768x393.jpg 768w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806-1024x525.jpg 1024w, https:\/\/www.diamantrad.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/IMG_5806-1536x787.jpg 1536w\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Ende vom Fluss<\/h3>\n\n\n\n<p>Thomas: Kommen wir langsam mal zum Ende. Und damit meine ich jetzt nicht das Ende vom Podcast, wobei auch da sind wir gar nicht mehr so weit von entfernt, sondern eigentlich das Ende vom Fluss. Weil irgendwo h\u00f6rt diese Elbe ja auf, und damit auch dein Abenteuer, deine Reise. Wie war das? Was war das f\u00fcr ein Moment? Was passiert in einem, wenn das Ende greifbar wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ich finde das Ende auf solchen Touren immer extrem schwierig. Nicht schwierig, es ist so ein bitters\u00fc\u00dfes Gef\u00fchl, weil man nat\u00fcrlich auf der einen Seite extrem froh und stolz ist, sich freut, dass es zu Ende ist. Und danach geht alles irgendwie weiter. Am Ende der Elbe war ich k\u00f6rperlich ziemlich fertig \u2013 ich habe mich sehr auf die k\u00f6rperliche Ruhe gefreut danach.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber von dem Fluss bis ungef\u00e4hr Geesthacht, also kurz vor Hamburg, hatte ich immer das Gef\u00fchl: Dieser Fluss tat mir einfach richtig Leid. Durch die Hitzewelle war das Wasser extrem niedrig, teilweise konnten wir ungelogen einmal vom einen Ufer zum anderen gehen, und in Tschechien wurde der Fluss extrem h\u00e4ufig gestaut. An den Schleusen hat er nie so richtig Fahrt aufgenommen, hatte nichts von der Kraft, die ich eigentlich von diesem Fluss kannte. Ich war dar\u00fcber ziemlich ungl\u00fccklich und hatte das Gef\u00fchl, dass es auch an uns liegt, dadurch, dass ich sehen konnte, wie viel Wasser abgepumpt wurde auf Agrarfl\u00e4chen. Und dann die Hitzewelle durch den Klimawandel: Es tat mir einfach weh.<\/p>\n\n\n\n<p>Und am Ende, hinter Geesthacht, hat dieser Fluss extrem an Fahrt aufgenommen, er wurde unfassbar breit, hatte nicht mehr wirklich was mit einem Fluss zu tun, dadurch, dass die Nordsee da auch reinflie\u00dft. Da hatte er endlich diese Gewalt, die ich gewohnt war, und noch viel mehr oben drauf. Es war einfach faszinierend dabei zuzugucken, wie Ebbe und Flut in diesem Fluss auch gespielt haben, diese massiven Ozeandampfer, die ihre Fracht in den Hamburger Hafen bringen, zu sehen. Ich habe mich ab Hamburg auch nicht mehr getraut, aufs Wasser zu gehen (lacht), weil ich mich nicht getraut habe, mit der Ebbe, Flut und diesen Ozeandampfern irgendwie konkurrieren zu k\u00f6nnen in meiner kleinen Nussschale.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sich das Ganze ge\u00f6ffnet hat zur Nordsee, hat sich dieser Fluss einfach so frei angef\u00fchlt. Ich war einfach so stolz (lacht), obwohl das total komisch klingt, auf diese Entwicklung von diesem kleinen, schm\u00e4chtigen Pf\u00fctzchen im tschechischen Riesengebirge, bis hin zu diesem breiten, offenen Meeresfluss. Und ich konnte dadurch auch diese Tour emotional sehr gut abschlie\u00dfen, weil ich so gl\u00fccklich war zu sehen, wie diese Geschichte endet, und zwar gut in diesem Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: Vielleicht ist das ja auch eine sch\u00f6ne Parabel auf den Lauf des Lebens und nimmt so ein bisschen vorweg, wenn dann in nicht mehr so vielen Tagen du tats\u00e4chlich zu dritt sein wirst mit deinem Freund.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Annie: Ja, ich musste nat\u00fcrlich w\u00e4hrend der Tour auch die ganze Zeit dr\u00fcber nachdenken: W\u00e4hrend ich der Elbe beim Wachsen zusehe, habe ich auch gemerkt: Am Anfang der Tour waren die Bewegungen in meinem Bauch relativ schwach und klein. Ich hatte fr\u00fch was gemerkt, aber nicht so viel. Und am Ende der Tour bin ich jeden Morgen aufgewacht und habe gemerkt, wie sich da jemand drin dreht. Und der Elbe beim Wachsen zuzuschauen war extrem ber\u00fchrend, wie sehr wir Einfluss auf diesen Fluss haben und nehmen. Und am Ende macht sie trotzdem, was sie will. Und genau das habe ich mir f\u00fcr meinen kleinen Menschen gew\u00fcnscht: Einfach sich frei entwickeln k\u00f6nnen und irgendwann auszubrechen und in den eigenen Bahnen zu flie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das n\u00e4chste Abenteuer ruft<\/h3>\n\n\n\n<p>Lorena: Da kommt ein neues Kapitel, das Familienkapitel. Aber Annie: Du w\u00e4rst nicht Annie, wenn du nicht schon an dein n\u00e4chstes Abenteuer denkst. Stimmt das und kannst du uns mitnehmen, was du Verr\u00fccktes geplant hast?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Also\u2026wir beide, mein Freund und ich und hoffentlich auch die Kleine (lacht), freuen uns schon auf die Elternzeit, weil wir tats\u00e4chlich vorhaben, in einem Campervan durch Europa zu reisen. Und es wird damit anfangen, dass wir im April in den Norden fahren, nach Norwegen, und zwar f\u00fcr ein Expeditions-Trainingscamp. Und was ich geplant habe: Ich bin Teil von einem Team, was Gr\u00f6nland \u00fcberqueren m\u00f6chte, \u201eGreen over Greenland\u201c. Wir wollen so nachhaltig wie m\u00f6glich ein gro\u00dfes Expeditions-Abenteuer \u2013 wo es dann tats\u00e4chlich akribischere Planung und Vorbereitung eben wird \u2013 durchzuf\u00fchren und versuchen, wie man bei so gro\u00dfen Expeditionsprojekten den Carbon Footprint verringern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell ist der Plan, 1.000km einmal quer durch Gr\u00f6nland durch Muskelkraft unsere Pulks zu ziehen und dabei auch Messungen an der Eisschicht durchzuf\u00fchren und \u00fcber menschliche Ausdauer und die physiologischen Effekte von solchen Touren zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas: So, also ich wei\u00df nicht, wie es dir geht, Lorena, aber ich w\u00fcrde jetzt gerne ans Fenster treten, rausschauen und \u00fcberlegen, was mein n\u00e4chstens Abenteuer sein k\u00f6nnte. Anni, ich nutze jetzt mal die Gelegenheit, erstmal noch Danke zu sagen, ganz, ganz herzlichen Dank daf\u00fcr, dass du uns heute mitgenommen hast, ganz ganz herzlichen Dank daf\u00fcr, dass wir mehr dar\u00fcber lernen k\u00f6nnen, wie diese ganze Reise abgelaufen ist in dem Blog, in der Serie von Blogbeitragen, die du uns zur Verf\u00fcgung stellst. Ganz ganz herzlichen Dank daf\u00fcr, dass du uns vor ungef\u00e4hr drei Jahren in einem Beitrag markiert hast \u2013 das mit dem T-Shirt war eine gute Idee. Willst du noch einen Pullover haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Annie (lacht): Ja! Vielleicht in einer kleineren Gr\u00f6\u00dfe auch, wenn ich da wieder reinpasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Lorena: Auch ich m\u00f6chte mich sehr bedanken. Ich freue mich einfach nur auf die n\u00e4chsten Geschichten von dir.<\/p>\n\n\n\n<p>Annie: Ja, ohne Diamant w\u00e4re ich nicht ans Nordkap gekommen, und daher habt ihr auch einen extrem gro\u00dfen Anteil geleistet, mein Leben zu \u00e4ndern. Danke daf\u00fcr!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"mb-5\">Thomas: Das begeistert uns und daher richte ich jetzt meine Worte einmal nach drau\u00dfen: Das, was ich gerne mitgeben wollte in dieser ganzen Geschichte ist: Diese Doktorandin, Biochemikerin, Abenteurerin, Ultra-Abenteurerin, ist im Kern eigentlich ein ganz normaler Mensch, der am Wochenende auch nur den Tatort und Netflix schaut. Und ihr habt sie nicht gesehen, aber wenn ihr sie vor euch sehen w\u00fcrdet: es ist ein kleines, rothaariges M\u00e4dchen in einer blauen Jacke \u2013 also heute nicht \u2013 aber ein ganz normaler Mensch. Habt euren Mut, aufs Abenteuer rauszugehen. Und wenn ihr es mit einem Diamant macht, dann lasst es uns wissen. Ein T-Shirt finden wir immer!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Weiterf\u00fchrende Links zu den angesprochenen Themen<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/castbox.fm\/app\/castbox\/player\/id2707069\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"https:\/\/castbox.fm\/app\/castbox\/player\/id2707069\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">Sammlung aller Podcast-Episoden<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Blogserie 1-7: <a href=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/blog\/bikerafting\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" title=\"\" aria-label=\"Opens external link in a new tab\">Bikerafting entlang und auf der Elbe<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Reportage:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.diamantrad.com\/blog\/mit-dem-fahrrad-von-berlin-zum-nordkapp-ohne-jegliche-erfahrung\/\" target=\"\" rel=\"noopener\" title=\"\">Mit dem Fahrrad von Berlin zum Nordkap \u2013 ohne jegliche Erfahrung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annie fuhr 2019 mit ihrem Diamant Elan von Berlin bis zum Nordkap. 2020 folgte ein Ultramarathon \u00fcber 1000km vom tiefsten zum h\u00f6chsten Punkt Deutschlands. 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