„Köpfchen spricht“ – Diamantrad Podcast Nr. 6

Diesen Sommer überlegen sich anscheinend viele, zum ersten Mal auf Radurlaub zu gehen. Lars spricht mit einem, der das 20 Jahre lang in Serie macht. Der fühlt sich plötzlich etwas alt und denkt an Mais und Flieder. Zum zweiten Mal schauen wir hinter den Namen eines Diamantrads. Im Mittelpunkt steht das Topas – das erste Diamantrad, das mehr war als eine schnelle Nummer.


Shownotes

 

Köpfchen spricht - Diamantrad PodcastHinweis von Diamantrad:
Alle Folgen des Diamantrad-Podcasts „Köpfchen spricht“ mit Thomas und Lars findest Du auf unserer Übersichtsseite. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Hören!

Interview mit Thomas über seine Radreisen

Unser Experte fährt seit 20 Jahren regelmäßig mit dem Rad in den Urlaub. Mit dem Zelt und ohne, in Deutschland und Europa, alleine und in der Gruppe, drei Tage und anderthalb Wochen, flach und kräftig bergauf, auf beliebten Touristenrouten und auch mal völlig abseits vom Standard.

Thomas, wieso macht dir das so viel Spaß?

…wie jetzt? Das ist das Interview?

Eben drum. Weil du 20 Jahre Erfahrung hast. Sonst stellst du immer die Fragen, heute darfst du mal Antwort geben.

Gut – dann bin ich auf deine Fragen gespannt!

Also: Wieso macht dir Urlaub mit dem Rad so viel Spaß?

Ich finde, es ist die Geschwindigkeit. Du bist schneller als ein Fußgänger, aber langsamer als ein Auto. Das heißt du bewegst dich in relativ großem Raum und siehst mehr als nur einen kleinen Ort. Das Panorama ändert sich und du siehst andere Orte und Plätze. Gleichzeitig rauschen die nicht so schnell an dir vorbei.

Du riechst es auch: Wenn du einmal durch so ein Feld Mais durchfährst und du riechst den Mais oder fährst an Flieder oder so vorbei – diese Gerüche nehme ich auch besonders wahr. Dann hältst du an, irgendwo im Wald, und vielleicht rauscht so ein kleiner Bach oder auch nur der Wind über das Feld, und das sind so ganz naturnahe Erlebnisse, die mir das Gefühl von Ruhe und Frieden geben. Das ist, denke ich, ein ganz wichtiger Grund, wieso mir das Rad so viel Spaß macht.

Um solche Momente zu erleben – wie findest du da deine Reiseziele heraus?

Ehrlich gesagt Google Maps. Mittlerweile bin ich ja einiges gefahren, und dann schaue ich einfach, wo war ich denn noch nicht? Wie könnte man denn da eine Route legen, die mich an Orte bringt wo ich noch nicht war?

Was auch geht, was ich früher gemacht habe: Ich habe gegooglet nach Deutschlands schönsten Radwegen und entspricht das dem worauf ich diesen Sommer Lust habe?

Von all den Orten, die du bereits besucht hast, welcher ist dir am meisten in Erinnerung geblieben?

Das ist ehrlich gesagt eine gute Frage, weil 20 Jahren sind ja jetzt doch schon eine ganze Menge Orte. Da gibt es ganz viele Plätze wo ich gedacht habe „Wow, mega, was für ein tolles Erlebnis!“.

Jetzt geht es ja eigentlich um Radreisen vielleicht auch zu Hause, wo wir die Grenzen nicht überqueren müssen, deswegen bleibe ich mal gerade in Deutschland. Ich würde sagen, eine Stadt die mich sehr positiv überrascht hat ist Wismar. Hatte ich nie so auf dem Schirm, was für eine große Altstadt das ist, wie schön sie angelegt ist und wie viel Mittelalterliches und Hanseatisches auch erhalten ist. Das ist auch eingebettet in eine ganz spannende Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern an der Küste, das heißt Ostseeküste, im Hinterland aber auch etwas hügelig, nicht nur so ganz flach wie an anderen Küstenlandschaften. Dann fährst du mal so einen Hügel hoch und siehst auch die Stadt so liegen und der Raps kann zur richtigen Jahreszeit wie Gold scheinen.

Das ist das Eine, und das andere ist der Walchensee. Ganz andere Ecke, genau an der Kante in Deutschland im Süden. Ich finde schon, dass das einer der schönsten Seen von Deutschland ist. Er ist ja auch sehr beliebt, an den Wochenenden häufig überlaufen, aber wenn man sich am Ostufer bewegt mit dem Fahrrad, ist es doch stiller. Das Alpenpanorama und diese wunderschöne, tiefblaue Seefarbe – das ist etwas, wo mir richtig das Herz aufgeht.

Da möchte man doch gerade aufs Rad springen, wenn man das so hört, und raus auf die Straße.

Ich nehme dich gerne mit.

Sehr gerne! Das wäre nämlich gerade meine nächste Frage: Wie du deine Strecken planst und unterwegs navigierst?

Ja, das hat sich über die Jahre ziemlich geändert. Ich erinnere mich noch, wie ich als Fünfzehnjähriger angefangen habe, da bin ich einfach in die Buchhandlung gegangen und habe eine große Karte gekauft. Die hab ich auf dem Boden ausgebreitet und habe lange drauf geschaut. Das war eine typische Fahrradkarte: Die Fernradwege sind eingezeichnet, die lokalen auch, und du gehst dann wirklich mit dem Finger lang.

Da war noch die Frage, wie lang sind die Distanzen, und ich erinnere mich, ich hatte da so ein Gerät, ein Rennrad, das hast du über die Karte gerollt und es hat dir angegeben, wie lang die Strecke war. Das Problem war nur, das hatte meistens nicht gepasst, dann war die Strecke meistens 10 oder auch 15 Kilometer länger.

Dann wurde es digitaler. Es gibt eine Website die nennt sich „Plot a Route“, du kannst aber auch „Komoot“ nutzen, und das Wichtige ist: Es ist eine Karte, die mit Open Streetmap kompatibel ist, da sehe ich genau, wo Fahrradwege und –routen eingeplant sind, und ich sehe auch, was die Verkehrsintensität der Straße ist.

Was ich auch zusätzlich nutze, wenn ich mir nicht sicher bin „Ist die Straße asphaltiert, wie befahren ist sie, hat sie einen Radweg?“, ist Google Street View, und schaue mir das einfach so mal an. Das ist in Deutschland ein bisschen schwierig, in der Schweiz funktioniert das sehr gut. Das hilft auch bei der Navigation unterwegs.

Früher genau das Gleiche: Ich habe mir die Radkarten für einzelne Fahrradwege gekauft und die hattest du dann an der Lenkertasche und hast regelmäßig umgeblättert. Da konntest du dem dann so nachfolgen. Hat ganz gut funktioniert, gerade wenn die Radwege ausgeschildert waren.

Früher habe ich mir das auch Stück für Stück aufgeschrieben und den Zettel hab ich mir aufs Oberrohr vom Fahrrad geklebt. Aber du bleibst dann auf den Hauptstraßen, und wenn du auf den kleinen verwinkelten Nebenstraßen fahren willst, brauchst du dafür ein elektronisches Gerät. Ich erinnere mich, als ich das erste Mal über die Alpen gefahren bin, da habe ich Fotos gemacht von Orten, die ich mir vorher auf Street View angeschaut habe, und habe auf der Kamera nachgeschaut „Ach das ist die Kreuzung, da muss ich jetzt da lang“. Da habe ich mir damals noch ein Tablet mitgenommen, weil ich noch keinen Fahrradcomputer hatte.

Sicherlich spannend, mit dem Tablet zu navigieren.

Ja, das war auch wirklich witzig. Das war ein Multifunktionsgerät: Bis dahin hatte ich auch immer Bücher dabei gehabt, mindestens eins, das ich unterwegs gelesen hab, aber das wiegt ja auch, 400 Gramm oder so. Und ein Tablet ungefähr 200 Gramm – ist weniger und kannst deutlich mehr damit machen. Du kannst damit mehrere Sachen machen, kannst dich abends auf einem größeren Bildschirm unterhalten, wenn du alleine unterwegs bist.

Jetzt fragen sich sicherlich viele, die nicht so häufig auf dem Rad unterwegs sind: Wird dir auch langweilig?

Ja, manchmal passiert mir das schon. Ich glaube dass es gut ist, wenn eine Tour auch eine Geschichte erzählt, und das ist auch wo die Jahre dazu beigetragen habe, dass ich es heute besser hinkriege. Wenn jetzt jeder Tag auf der Tour gleich aussieht, wird es irgendwann langweilig.

Was dann hilft ist vielleicht mal einen Ruhetag zu machen in einer spannenden Stadt oder am See. Mal weg vom Rad gehen und was anderes machen. Was auch hilft ist, wenn der Charakter der Strecke sich ändert, beispielsweise wenn es zuerst flach ist und dann kommt etwas Hügeliges, dann was richtig Bergiges oder auch wieder ganz Flaches. Das kann helfen. Und irgendwie – naja, dass es eine Strecke ist, wo das Endziel dich auch irgendwie motiviert und du dich darauf freuen kannst und die Landschaft sich dabei ändert und du neue Kulturräume kennenlernst und die anders sind als die, wo du angefangen hast.

Jetzt hast du gesagt, du bist ab und zu mit deinen Freunden mit dem Rad unterwegs. Wann warst du das letzte Mal mit dem Zelt unterwegs?

Das ist bei mir ziemlich lang her. Wir haben so angefangen. Das ist eine sehr einfache Art und Weise, mit dem Radfahren anzufangen. Zelt und Schlafsack hinten drauf, vielleicht noch Campingkocher, und irgendwo findet sich immer mal ein Campingplatz, an dem man übernachten kann. Kosten gering halten. Auf diese Weise ist Radfahren sehr inklusiv und integrierend.

Das hat ein paar andere Nachteile, du musst das Zelt aufbauen, die Luftmatratze aufpusten und so weiter, du hast auch deutlich mehr Gepäck, weil du all diese Sachen mitnehmen musst. Das gibt es heutzutage auch alles in Leichtvarianten, dann kostet es wieder sehr viel Geld. Und wenn du es eben im Budget halten möchtest, kommt halt schnell sehr viel Gepäck zusammen.

Das ist ganz witzig, wir haben ja angefangen als Schüler, dann als Studenten, dann waren wir jung im Beruf, jetzt sind wir so alle Mitte 30. Je älter wir geworden sind, desto bequemer sind wir auch geworden. Ich erinnere mich an das erste Mal, als wir in einer Pension übernachtet haben: Was für ein Erlebnis das war, dass da ein Fernseher im Zimmer war, was es noch mal an Unterhaltung gegeben hat am Abend, weil wir ein Fußballspiel schauen konnten.

Ich nehme jetzt mal an, einen Fernseher nimmst du nicht unbedingt mit, aber sonst an Gepäck, wie sieht das aus? Spielt es eine Rolle, wie lange du unterwegs bist? Wie stellst du dein Gepäck zusammen?

Da kommt viel Erfahrung rein. Es ist bei mir jetzt nur noch ein kleiner Rucksack, der 5kg wiegt. Früher als wir angefangen haben waren es noch 20kg, linke Gepäcktasche, rechte Gepäcktasche, so wie auch das Bild, das man vor Augen hat.

Ich glaube nicht, dass es so viel Unterschied macht, wie lange du unterwegs bist. Was ich mache ist: Ich setze darauf, dass ich täglich wasche. Ich nehme mir ein bisschen Seife mit, Kleidung grundsätzlich fürs Fahrrad als auch für den Abend, die schnelltrocknend ist, also funktionale Outdoor-Kleidung. Da hat man schnell das Bild des Outdoor-Deutschen vor Augen und wahrscheinlich trifft das auch ein bisschen zu, aber es hilft, denn die Kleidung ist am nächsten Tag wieder trocken, wenn man sie gut aufhängen kann.

Ich habe dann zwei Trikots und Hosen dazu, zweimal etwas, um abends auszugehen, und dadurch reduziere ich das Gewicht. Dann nehme ich ein leichtes Paar Schuhe mit, Werkzeug, ein bisschen Sanitätszeug. Ich habe heutzutage für die Unterhaltung das Telefon mit und ein Kartenspiel – wir haben immer Uno mit. Dann ein bisschen Regenkleidung; Ärmlinge, Beinlinge, Regenjacke falls es doch mal kälter wird als man sich das vorstellt. Jetzt bin ich selbst nicht so temperatursensitiv und fahre auch meistens im Sommer, das heißt ich kann meistens den Pullover zu Hause lassen. Der wiegt ja sonst auch mal schnell noch was.

Der größte Feind des Radurlaubs ist ja der Regen. Wie gehst du denn damit um?

Naja, das ist glaube ich einer der Punkte wieso wir nicht mehr das Zelt mitnehmen, weil wir zwei Mal bei recht viel Regen unterwegs gewesen sind. Einmal war es so viel, da sind wir vier Tage im Regen gefahren, da haben wir gesagt „Ok, an der Stelle ist Schluss“. Da sind wir dann mit dem Zug nach Hause gefahren.

Das Problem ist halt, dass du im Zelt die Sachen nicht trocken bekommst. Und das ist das Unangenehmste, dass du zumindest früh nicht etwas Trockenes anziehen kannst. Ansonsten, wenn du im Hotel bist, kannst du die Sachen nochmal trocknen, dann fahr ich schon.

Dauerregen ist nicht so meins, dann versuchen wir die Tour so zu planen, auf den Zug ausweichen zu können. Das heißt wenn der Tag komplett im Eimer ist, fahren wir halt mit dem Zug weiter. Du kannst es auch so machen dass du sagst, du buchst Hotels oder Campingplätze gar nicht im Voraus sondern fährst halt spontan ins Blaue rein und buchst jeden Tag oder suchst, was verfügbar ist. Wenn es dann regnet, dann bleibst du halt gerade an dem Ort wo du bist und machst etwas anderes.

Du fährst an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei. Mit dem Gepäck und dem Rad kannst du ja nirgendswo wirklich rein. Ist das dann nicht etwas oberflächlich?

Könnte man so sagen. Manchmal ärgert mich das auch so ein bisschen. Was du machen kannst: Bei vielen Museen kann man die Gepäcktaschen in ein Schließfach einlagern oder an der Rezeption abgeben. Das machen die schon häufig. Das wäre also eine Möglichkeit. Dadurch, dass wir nur noch mit einem kleinen Rucksack fahren, kannst du ihn oft mitnehmen.

Ich glaube die Schwierigkeit ist wirklich: Was ist, wenn du viel Gepäck am Fahrrad selbst hast? Wenn das für dich zum Urlaub dazu gehört, könntest du vielleicht sagen: Okay, wir machen eine kürzere Etappe, fahren vielleicht nur 30 oder 40 Kilometer und fahren erst nur bis zu dem Ort, wo das Museum oder die Burg ist, die wir uns anschauen wollen. Dann checken wir ins Hotel ein und schauen uns genau das ist. Und wenn wir da Lust haben, fahren wir eine Schleife in der Gegend. Das geht ja auch.

Jetzt möchte ich aber noch wissen: Was ist dein nächstes Traumziel?

Also letztes Jahr waren wir mit Diamant für das Trekking-Shooting in der Bretagne. Und das fand ich, war eine sehr spannende Landschaft: Karg auf die eine Art und Weise, aber auch sehr reichhaltig. Kleine pittoreske Örter  und die Landschaft ist nicht Hochgebirge aber so leicht profiliert und was anderes im Vergleich zu dem, was ich die letzten Jahre gemacht habe. Das könnte ich mir schon vorstellen, da hinzugehen wo wir letztes Jahr zum Shooting gewesen sind.

Jetzt aber zum Schluss: Warum macht dir das so viel Spaß?

Eigentlich ist das alles nur eine Ausrede, um Eis zu essen. Unterwegs zu sein, Tag auf dem Rad, irgendwann ankommen, Eisdiele, schöner kleiner Eisbecher – eigentlich geht es doch nur darum. La dolce vita!

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12. Juni 2020
Diamant Redaktion
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