Interview mit Tobias Hubold von radzelten.de

Mit dem Fahrrad die Welt erkunden – Tobias Hubold verfolgt diesen Traum und kann bereits von 15 Ländern berichten, die er schon mit seinem Diamantrad durchquert hat. Im Diamant-Blog berichtet er von seinen Erlebnissen und zukünftigen Plänen.

Vor über zehn Jahren hat Tobias Hubold sein Diamant Elan Deluxe gekauft. Dass er damit durch kilometerweite Wüsten und über hohe Gebirge fahren würde, ahnte er damals noch nicht. Diamant interviewt Tobias zu seinem Blog radzelten.de und den Radreisen, die der Fahrradbegeisterte schon hinter sich gelegt hat.

Interview mit Tobias Hubold

Hallo Tobias! Vielen Dank, dass Du Dir Zeit für unsere Fragen nimmst. Erzähl uns doch erst einmal, wer Du bist und wie Du dazu kamst, mit dem Fahrrad durch (bis dato) 15 Länder zu reisen.

Ich komme aus dem grünen Herzen Deutschlands: Thüringen. Genauer gesagt, wohne ich mit meiner Frau und Tochter in Jena und konzipiere beruflich Software-Projekte für ein Startup in Berlin. Ich fahre schon mein ganzes Leben gerne Rad. Das war für mich zu Kindszeiten die erste eigene Unabhängigkeit und selbst gewonnene Freiheit. Der Radius um den Heimatort wurde Jahr für Jahr größer und es schien alles erreichbar zu sein. Mich faszinierte schon sehr früh, wie weit man mit der eigenen Muskelkraft kommen kann. Der Reisegedanke entfaltete sich erst später.

Eher aus einer Schnapsidee heraus fuhren wir 2006 zu dritt einfach los in Richtung Norden, um irgendwo an der Ostsee herauszukommen. Die Weiterfahrt an Kreuzungen entschieden wir gemeinsam durch „Schnick Schnack Schnuck“, das genaue Ziel war irrelevant. Der Weg brachte uns nach Rostock und danach auf den wunderschönen Darß. Die Art und Weise, wie man seine Umgebung erlebt, wieviel Neues man kennenlernt, welche Leute man unterwegs trifft und all die ungeplanten Momente weckten in mir die Faszination am Radreisen.

Ich plante und organisierte weitere Reisen. Entweder in einer kleinen Gruppe oder auch mal alleine. Erst im Inland und dann immer weiter in die Ferne. Genauso wie ich es schon in meiner Kindheit gemacht habe.

Radfahrer vor Kosovo-Schild - Diamantrad-Blog
Auch in Richtung Kosovo war Tobias Hubold bereits mit dem Fahrrad unterwegs. – Diamantrad-Blog

 

Auf Deiner Webseite stellst Du einige Deiner Reisen und Erlebnisse genauer vor. Woher kam die Motivation, einen Blog zu starten, und was möchtest Du damit vermitteln?

Den Blog habe ich zusammen mit Freunden und meinem Bruder ins Leben gerufen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Länder und Menschen zu lenken, die sonst nicht im Rampenlicht des Weltgeschehens stehen. Denn diese wahren oft mehr Herzlichkeit, als man annehmen möchte und welche wir persönlich im Alltag vermissen. Gerade in aktuellen Zeiten ist es in unseren Augen wichtig, den Blick auf unsere Welt zu öffnen und sich nicht (entgegen der aktuellen Tendenzen) zu verschließen.

Aus diesem Grund initiieren wir auch gerade neben dem Blog eine Wanderausstellung von 50 Bildern im Großformat, um über die Einheimischen, ihrer Gastfreundlichkeit und überwältigenden Natur zu informieren sowie Vorurteile über diese Regionen abzubauen. Die Website soll somit zum Einen die unbekannten Perlen Zentralasiens näher beleuchten. Zum anderen möchten wir auch unsere Begeisterung für das Reisen mit dem Rad weiterreichen. Mit dieser Art der Fortbewegung lernt man Land und Leute noch einmal ganz anders kennen.

Canyons und Flussbette – Radfahren in Marokko

Bei all den Reisen, die Du gemacht hast – hast Du da ein Lieblingsland oder eine Lieblingsregion?

Jede Region hat in meinen Augen seine persönlichen Besonderheiten. Mal sind es die riesigen Bergmassive, mal das tiefblaue Wasser der Meere, mal die Gastfreundlichkeit der Menschen und ab und zu sind es einfach nur die asphaltierten Radwege 🙂 Aber was mich genau erwartet, erfahre ich erst, wenn ich dort bin. Deswegen fahre ich los – um zu erfahren, was mich da erwartet. Ich möchte somit die Leere auf meiner gedanklichen Weltkarte mit Farbe füllen. Genau das bringt mich zur Antwort auf die Frage, welches Lieblingsland ich habe. Kurz und knapp gesagt, ist es das Nächste. Aber in den letzten Jahre zieht es mich immer mehr in die Bergregionen dieser Erde.

Wir können uns vorstellen, dass Du nicht nur eine lustige Anekdote oder atemberaubende Geschichte zu erzählen hast. An welche denkst Du besonders gerne zurück?

Sehr stark sind mir zwei Tage in Marokko im Gedächtnis geblieben. Eine Straße führte mich zusammen mit einem Freund auf über 2000m und wurde Kilometer für Kilometer schmaler. Circa eine Stunde später war nur noch ein Trampelpfad übrig, der uns in einen Canyon führte. Es folgten über 60 km Flussbett, in einem schmal eingeschnittenen Tal. Wenig später tauchten in den Fels gehauene Höhlenhäuser auf und Kinder kamen auf uns zu gerannt, die alles Neue erst einmal erkunden wollten.

Jeder Zentimeter wurde genauestens inspiziert. Wir kamen uns vor, als wären wir in der Zeit zurück versetzt worden. Ein absolutes Erlebnis. Doch die Schattenseite der Abgeschiedenheit kam am Ende des Tages auf uns zu: Wir mussten leider feststellen, dass wir nicht mehr genügend Wasser mit hatten. Erst einen Tag später und viele Kilometer weiter entlang der Sahara trafen wir auf einen Transporter, der einen Kanister mit etwas trüben Wasser mitführte. Nicht schön, aber besser als kein Wasser. Zum Glück hatten wir noch Desinfektionsmittel mit.

Genau an diese Kontraste zwischen der überraschenden Schönheit und der unfreiwilligen Notsituation erinnert man sich ein Leben lang. Aber es gab auch viele andere wunderbare Momente. Zum Beispiel, wie uns ein schwimmender Bus in den Kosovo brachte oder wie wir herzlichst in Tadschikistan kurz vor Mitternacht noch von einer Familie aufgenommen wurden… uns war mal wieder das Wasser ausgegangen.

Radfahrer in der Wüste von Marokko - Diamantrad-Blog
Tobias Hubold unterwegs in Marokko. – Diamantrad-Blog

 

Kirgistan, Tadschikistan oder Mazedonien sind keine klassischen Touristenziele. Was hat Dich an diesen Ländern am meisten beeindruckt, was hast Du vorher so gar nicht erwartet?

Zum ersten Mal mit dem Fahrrad vor einem 7000er auf über 4000 Meter zu stehen, war im wahrsten Sinne des Wortes „atemberaubend“. Zudem hat mich die bedingungslose Gastfreundlichkeit überrascht, die man jeden Tag erlebte, wenn Kinder uns sahen und aus der Ferne zu uns gerannt kamen, um mit einem High Five abzuklatschen. Einfach nur wunderbar. Aber auch die ältere Generation ist sehr aufgeschlossen gegenüber Fremden.

Und das bezieht sich nicht nur auf Kirgistan & Tadschikistan. Auch der Balkan oder Marokko hat sehr viel Herz .Oft wurden wir zum Essen oder zur Übernachtung eingeladen. Die Herzlichkeit der Menschen, denen ich meist auf dem Land begegnete, überraschte mich in allen östlich gelegenen Ländern. Immer hilfsbereit, obwohl sie oft nicht viel zu geben hatten.

Deine Bilder zeigen teilweise riesige, menschenleere Gebiete. Wie hast du diesen krassen Unterschied zu Deutschland erlebt? Fühlt man sich nicht „zu einsam“?

Für mich fühlt es sich eher andersherum an. Ich liebe die Freiheit und das Gefühl der Einsamkeit. Zudem ist es auch sehr wichtig für mich Abstand zu Gewohnheiten und dem Alltag zu gewinnen, um die täglichen Schönheiten wieder zu entdecken, die man oft als selbstverständlich erachtet.

Und was bietet sich da besser an als menschenleere Gebiete, gepaart mit großen Bergen und unendlichen Weiten? Habe ich dann beim Sonnenaufgang noch einen Kaffee in der Hand, ist das für mich Glück. Ich bin sehr froh in einer Zeit zu leben, wo man so unbeschwert länderübergreifend reisen kann.

Mit Diamant von der Ostsee bis nach Zentralasien

Kommen wir kurz zum Fortbewegungsmittel Deiner Wahl – dem Diamant Elan Deluxe. Warum fiel die Wahl auf ausgerechnet dieses Modell und was kannst Du uns, ausgehend von Deiner „ultimativen Belastungsprobe“, darüber berichten?

Zum Zeitpunkt meiner ersten Radreise zur Ostsee musste ich mir noch das Rad von meinem Bruder leihen. Das sollte sich für die Folgetouren aber ändern. Die finanziellen Mittel als Schüler waren sehr begrenzt aber die Anforderungen hoch. Ein alltagstaugliches Rad, dass auch mal Feldwege queren sollte, war der Grundgedanke. Das Diamant Elan Deluxe schien mir da sehr passend, zumal es auch aus der Region kommt. Außerdem trägt der Schriftzug auf dem Rahmen den Spitznamen meiner Frau, die damals noch meine Freundin war.

Zum Zeitpunkt des Kaufes wusste ich allerdings noch nicht, dass es bei „ab und zu Offroad“ nicht bleiben wird. Mehrere hundert Kilometer Flußbetten, Wüstentouren, Flußdurchquerungen, Wellblechpisten, rasante Alpenpässe und schlussendlich viele Kilometer im Alltag. Für mich hat sich das Elan Deluxe als ein robustes und vielseitig einsetzbares Rad erwiesen, das mich gut 10 Jahre begleitete. Umso trauriger, dass mir auf meiner letzten Reise auf einer Hochebene vor den 7000er des Pamirs kleine Kugeln aus der Gabel entgegen kamen. Ein Kugellager hatte sich nach den ganzen Touren nahezu in Luft aufgelöst und lag nun in Einzelteilen vor mir.

Nach einer ausgiebigen Problemanalyse und abwägen von Alternativen habe ich mir mit Kabelbindern ein Lager gebaut. Dieses sollte die Gabel wieder stabilisieren und meine Weiterfahrt sichern. Genau das tat das Provisorium. Zu meinem Erstaunen hält es ein halbes Jahr später immer noch.

Tipp von Diamant: Sie planen eine größere Tour und möchten sich über neue Modelle informieren? Dann sind Messen und Events gute Anlaufstellen. Auf unserem Blog finden Sie eine Übersicht der Fahrradmessen 2018.

Diamant Elan Deluxe - Diamantrad-Blog
Mit dem Diamant Elan Deluxe hat Tobias Hubold bereits 15 Länder bereist. – Diamantrad-Blog

 

Du hast bereits die Gastfreundlichkeit der Menschen erwähnt und planst neben dem Blog ein weiteres Projekt, um diese weiter in den Vordergrund zu stellen. Kannst Du uns darüber schon etwas verraten?

Aber sicher. Wir haben ein kleines Hilfsprojekt in Leben gerufen, um eine Schule in Tadschikistan, genauer gesagt in Karakul, zu unterstützen. Wir wollen den Schülern Bücher und notwendige Arbeitsmaterialien wie Papier oder Stifte zu kommen lassen. Wenn man in der autonomen Bergregion Gorno Badakhshan unterwegs ist und den Ort Karakul besucht, fragt man sich schnell, wie man hier überleben kann. Zum Glück gibt es bereits eine Schule, um der heranwachsenden Generation mit Bildung eine Perspektive zu geben. Aber es fehlt an kleineren, notwendigen Dingen.

Da uns Karakul sehr ans Herz gewachsen ist, wollen wir den Menschen dort helfen. Durch die bereits angesprochene Wanderaustellung wollen wir nicht nur den Fokus auf Zentralasien richten, sondern wir wollen die dringend notwendigen Hilfsgüter auch durch die Verkäufe und Vorträge  finanzieren. Aus diesem Grund sind wir aktuell auch noch auf der Suche nach Ausstellungsplätzen und Vortragsorten. Bevorzugt sollen die Bilder in „Coworking Spaces“ (mietbare Arbeitsplätze mit flexibler Laufzeit, Anm. d. Red.) und auf öffentlichen Plätzen hängen, um ihnen ein breites Publikum zu bieten und viele Interessenten zu erreichen.

Du hast die nächste Radtour doch bestimmt bereits geplant. Wo geht es als nächstes hin und wann?

Die Erde hält noch viele schöne Orte bereit. Neben einem langen Traum Südamerika zu durchqueren, hat es mir der Karakorum in Pakistan und Nordindien sehr angetan. Eine Idee steht auch schon, aber Konkretes gibt es leider noch nicht. Erst einmal wollen wir die Schule in Tadschikistan versorgen und die Ausstellung voran treiben. Aber so viel sei gesagt: Es gibt eine kleine Gruppe von jungen Pakistanern, die das Radreisen in Pakistan voran treiben wollen und da möchten wir gerne unterstützend dabei sein. Aber mehr dazu sei an dieser Stelle noch nicht verraten. 🙂

Tobias, vielen Dank für Deine Zeit und viel Spaß bei der nächsten Tour!

Weitere Informationen über Tobias Hubold und Radzelten

 

23. Februar 2018
Diamant Redaktion
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