Fahrraddiebstahl: Wie schützen und was tun, wenns passiert ist?

Es ist schneller passiert, als Du denkst – und schon ist das Fahrrad gestohlen. In Deutschland passierte das 2018 rund 160.000 Mal mit versicherten Rädern. Vollständig vermeiden lässt sich Fahrraddiebstahl nicht. Doch nichtsdestotrotz kannst Du Dein Fahrrad bestmöglich schützen.

Was soll ich im Ernstfall tun? Welches Schloss ist am schwersten zu knacken? Welche Versicherung zahlt im Fall der Fälle? Und was bringen Codierungen und Apps? Im Diamantrad-Blog liefern wir Dir Antworten auf diese Fragen.

Fahrrad gestohlen: Was nun?

Ist das Worst-Case Szenario eingetreten und das Fahrrad verschwunden, solltest Du sofort Anzeige bei der Polizei erstatten. Andernfalls erlischt Dein Anspruch auf Versicherungsschutz. Ist das Rad nach drei Wochen immer noch verschwunden, hast Du Deine Versicherung zu informieren.

Taucht das Fahrrad unerwarteterweise wieder auf, und zwar nach der Entschädigung durch die Versicherung, bist Du in der Pflicht, sie schriftlich darüber zu benachrichtigen. Entweder musst Du nun die Entschädigungssumme zurückzahlen oder der Versicherung das Rad aushändigen.

Erwischst Du einen Dieb auf frischer Tat, darfst Du ihn – notfalls auch mit Gewalt – davon abhalten, das Schloss zu zerschneiden und das Fahrrad mitzunehmen. Wenn möglich, solltest Du allerdings die Polizei einschalten und nicht selbst aktiv werden. Fährt der Täter bereits mit dem Rad davon, darfst Du ihn aus rechtlicher Sicht natürlich auch verfolgen, um wieder in den Besitz Deines Rads zu gelangen. Entdeckst Du Dein gestohlenes Fahrrad Wochen später wieder, darfst Du es nicht so ohne weiteres wieder an Dich nehmen.

Wo stelle ich mein Fahrrad am sichersten ab?

Beim Radeln ist es zu empfehlen, das Fahrrad an möglichst belebten Plätzen abstellen. An unbeobachteten Stellen hingegen können potentielle Fahrraddiebe in aller Seelenruhe ein Schloss aufbrechen.

Zuhause steht das Fahrrad natürlich am sichersten in der Wohnung. Möchtest Du es dort allerdings nicht unterbringen, ist Dein Kellerabteil oder auch ein gemeinschaftlicher Fahrradraum ein geeigneter Stellplatz. Ist dies alles nicht möglich und Dein Rad muss vor dem Haus stehen, könnte eine abschließbare Fahrradbox für Dich eine Option sein.

Methoden zum sicheren Abschließen von Fahrrädern

Lediglich die Laufräder mithilfe eines Schlosses zu blockieren, ist in der Regel nicht ausreichend. Diebe können das Rad problemlos wegtragen. Aus diesem Grund solltest Du immer den Rahmen an einem fest verankerten Gegenstand anschließen. Achte außerdem darauf, dass dieser nach oben hin geschlossen oder hoch genug ist, sodass ein Langfinger das Rad nicht darüber heben kann.

Sorge außerdem dafür, das Schloss nicht in Bodennähe hängen zu lassen. Fahrraddiebe können ihr Werkzeug auf diese Weise am Boden abstützen und so leichter das Schloss aufbrechen. Zusätzlicher Tipp: Fahrraddiebe spezialisieren sich oft auf eine Bauart. Schließe Dein Fahrrad möglichst zusätzlich mit zwei unterschiedlichen Schlössern ab.

Welche Schlösser schützen effektiv vor Fahrraddiebstahl?

Spare beim Kauf Deines Fahrrads anschließend nicht beim Schloss. Stabile Materialien und funktionale Schlosszylinder sorgen in der Regel für einen hohen Preis. Willst Du lange Freude an Deinem Fahrrad haben, ist dies allerdings gut angelegtes Geld. Allgemein gilt: Je dicker das Schloss ist, desto stabiler und dementsprechend sicherer ist es. Weiterhin sollte der Schließzylinder über bestimmte Sicherheitsmerkmale verfügen. Drehscheibenzylinder bieten einen recht hohen Diebstahlschutz. Anstelle von sonst üblichen Stiften muss der Schlüssel hier die Scheiben im Zylinder in die richtige Stellung bringen.

Bei der Vielzahl an Modellen und Varianten fällt die Entscheidung beim Kauf allerdings schwer. Daher haben wir die verschiedenen Schlosstypen einmal unter die Lupe genommen.

  • Bügelschlösser: Die schweren Stahlbügel sind so stabil gebaut, dass Fahrraddiebe sie kaum aufbrechen können. Allerdings sind sie recht unflexibel. An dünnen Stangen und Pfählen ist es möglich, das Rad festzuschließen, Laternenmasten sind dafür jedoch meist zu dick.
  • Panzerkabel- und Kettenschlösser: Gute Panzerkabel und Kettenschlösser sind fast so sicher wie Stahlbügel. Ihr großer Vorteil besteht darin, dass sie wesentlich flexibler sind und so das Anschließen an Bäume oder Straßenlaternen problemlos möglich ist.
  • Faltschlösser: Diese Schlösser lassen sich klein zusammenfalten und demnach gut transportieren. Ihre Sicherheit ist vergleichbar zu der von Bügelschlössern. Wähle die längste Variante, um Dein Rad problemlos an Laternen oder Ähnlichem anzuschließen.
  • Rahmenschlösser: Diese solltest Du nicht als alleinige Diebstahlsicherung verwenden, da Diebe das Fahrrad damit problemlos wegtragen können. Hast Du aber ein weiteres sicheres Schloss, ist ein Rahmenschloss für den Schutz des Hinterrads gut.
  • Spiralkabelschlösser: Hier reicht meist ein Seitenschneider aus, um das Schloss zu knacken. Demnach ist die Sicherheit unzureichend.
Verschiedene Arten von Fahrradschlössern - Diamantrad-Blog
Verschiedene Arten von Fahrradschlössern – Diamantrad-Blog

Digitaler Fahrradschutz

Auch die Digitalisierung kann helfen, Fahrraddieben ihr Dasein zu erschweren.

So gibt es kleine Alarmanlagen – zusätzlich zum eigentlichen Schloss – die Du mit deinem Smartphone per Bluetooth verbindest. Entfernst Du Dich von Deinem Rad, ist sie scharf. Macht sich in Deiner Abwesenheit jemand an Deinem Fahrrad zu schaffen, ertönt ein lautes Signal. Gelingt es dem Dieb nichtsdestotrotz, das Fahrrad zu entwenden, übermittelt die Alarmanlage per GPS einen Standort. Meist kommt es allerdings gar nicht erst so weit, da es bereits als Abschreckung fungiert.

Eine weitere Möglichkeit stellen direkt mit dem Handy koppelbare Fahrradschlösser dar. Bist Du mit Deinem Smartphone nicht in der unmittelbaren Nähe und jemand anders versucht, Dein Rad zu entfernen, aktiviert sich eine Wegfahrsperre. Am Rahmen unter dem Sattel angebracht, schiebt es einen Bolzen durch die Hinterradspeichen. Das Rad ist also blockiert.

Abus Alarmbox

Besonders empfehlenswert, um Dein Rad vor Diebstahl zu schützen, ist die Abus Alarmbox. Diese montierst Du problemlos am Fahrradrahmen. Nach dem Abschließen stellst Du die kleine Alarmanlage mithilfe eines Schlüssels scharf. Kleinste Bewegungen lösen dann die Alarmfunktion aus. Die 3D Position Detection sorgt für die Erkennung von Erschütterungen in allen drei Dimensionen. Dies bedeutet, dass 15 Sekunden ein Geräusch von mindestens 100dB ertönt. Danach kommt es zur erneuten Scharfschaltung der Box. Im Alltag kommt es natürlich auch mitunter zu kleinen Erschütterungen wie durch einen Fußball. In diesem Fall gibt das Schloss lediglich einen kurzen Warnton ab.

Geklaute Fahrräder wiederfinden

Trotz eines sicheren Stellplatzes und eines robusten Schlosses kann es dazu kommen, dass es Dich erwischt und Dein Fahrrad geklaut wird. Ist das Worst-Case Szenario eingetreten, musst Du Dich dennoch nicht gleich vollständig von Deinem Rad verabschieden. Vorausgesetzt, Du hast im Vorfeld eine der folgenden Maßnahmen getroffen. Mit diesen ist es nicht vollständig ausgeschlossen, ein geklautes Fahrrad wieder zu finden, und sie helfen der Polizei.

Facebook-Communities und Datenbank-Websites

Um ein geklautes Fahrrad wieder zu finden, kannst Du in Facebook-Communities wie beispielsweise „Stolen Bikes Berlin“ oder auf Datenbank-Websites eine Suchanfrage mit Fotos und relevanten Informationen zum Rad stellen. Je mehr Menschen von dem Diebstahl wissen, desto mehr können Hinweise liefern. Besonders effizient sind diese Communities und Datenbanken, wenn sich an Fahrrädern ein Aufkleber mit einem QR-Code befindet. Ein kurzer Scan stellt dann fest, ob es sich um ein als gestohlen gemeldetes Rad handelt.

Fahrradpass

Auch mit einem gut ausgefüllten Fahrradpass steigt die Wahrscheinlichkeit, ein gestohlenes Fahrrad wieder zu finden. Dieser sollte folgende Informationen enthalten:

  • Rahmennummer
  • Marke
  • Modell
  • Foto

Den Fahrradpass in haptischer Form erhältst Du entweder bei Deinem Fahrradhändler, der Polizei oder Deiner Versicherung. Mittlerweile gibt es von der Polizei zudem eine Fahrradpass-App.

Fahrrad-Codierung

Da die Rahmennummer allein nicht genügend Informationen gibt, um den Besitzer eines Fahrrads ausfindig zu machen, ist die Fahrrad-Codierung noch wirkungsvoller. Anhand diesem kann die Polizei oder das Fundbüro sofort den Eigentümer informieren. Gleichzeitig fungiert die Codierung als Abschreckung für potenzielle Diebe, da diese den Verkauf erschwert.

Dieser Code besteht aus einer individuellen Ziffern- und Buchstabenkombination. Sie beinhaltet das Autokennzeichen und den Gemeindecode des Ortes, in dem der Eigentümer wohnt, einer fünfstelligen Zahl für die Straße, drei Ziffern für die Hausnummer sowie den Eigentümer-Initialen. Teilweise kommt noch eine zweistellige Zahl für das Jahr der Codierung hinzu.

Im Falle eines Umzugs kann das Einwohnermeldeamt anhand der alten Adresse den aktuellen Wohnsitz schnell feststellen. Wer viel umzieht, kann auch seinen festen Zweitwohnsitz für die Codierung verwenden. Fahrradhändler, die Polizei sowie der lokale ADFC codieren Fahrräder gegen eine Gebühr von etwa fünfzehn Euro. Bist Du ADFC-Mitglied, musst Du in der Regel nur die Hälfte zahlen. Zur Codierung sind ein Eigentumsnachweis (Kaufvertrag, Rechnung, Quittung) für das Fahrrad sowie ein Identitätsnachweis (Personalausweis oder Reisepass) erforderlich.

Für die Codierung gibt es zwei verschiedene Verfahren – die Gravur und die Klebekodierung. Bei der Gravurcodierung wird der Code 0,1 bis 0,2 Millimeter tief in das Metall des Fahrradrahmens eingraviert. Darüber kommt ein Aufkleber mit Sichtfenster als Schutz vor Korrosion. Bei Rahmen aus Carbon, ultraleichten Rennradrahmen oder auch sehr kleinen Kinderrahmen kann die Codierung nicht mit den gebräuchlichen Gravurgeräten erfolgen. Hier kommt die Klebecodierung zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein spezielles Etikett, das Unbefugte nicht ablösen können. Die Codierung erfolgt auf der rechten Seite des Sattelrohrs, bei der Klebecodierung möglichst auch noch an anderer Stelle.

Frau auf Radweg in Kopenhagen - Diamantrad-BlogHinweis von Diamantrad:
Diebstahlschutz ist ein wichtiger Punkt beim Fahrrad – aber es gibt noch viele weitere Themen, mit denen Du besser, sicherer oder komfortabler unterwegs bist. Auf unserer Übersichtsseite zum Radfahren in der Stadt haben wir viele weitere Tipps und Hinweise gesammelt. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Lesen und allzeit gute Fahrt!

Lohnt sich eine Fahrradversicherung?

Bei einem wertvollen Fahrrad oder E-Bikes lohnt es sich immer, dieses zusätzlich abzusichern. Die Hausratversicherung greift nämlich nur, wenn es in der Wohnung oder abgesperrt in der Garage bzw. im abschließbaren Kellerabteil steht. Da ein Rad ein Nutzgegenstand ist, steht es aller Wahrscheinlichkeit nach meist vor dem Büro, dem Fitnessstudio, dem Supermarkt, der Kneipe oder an anderen Plätzen im urbanen Raum.

Damit die Versicherung auch an solchen Orten greift, hast Du zwei Optionen: Entweder ergänzt Du Deine Hausratversicherung durch einen Fahrradzusatz oder Du schließt eine spezielle Fahrradversicherung ab. Welche Möglichkeit die günstigere ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Dies hängt unter anderem vom Wert des Rads sowie vom Wohnort ab. Für passionierte Fahrer, die nahezu nie ohne ihr Rad anzutreffen sind, lohnt sich meist eine spezielle Fahrradversicherung, da diese neben Diebstahl und Raub auch Reparaturen durch Vandalismus und Unfälle zahlt.

Die genauen Konditionen variieren stark von Versicherung zu Versicherung. Mitunter differenzieren die Anbieter sogar bei der Verwendung eines Schlosses: Nutzt Du es, allerdings ohne Befestigung an einem Laternenmast oder Zaun, gehst Du möglicherweise trotzdem leer aus. Auch die Nachtklausel ist wichtig: Zwischen 22 und 6 Uhr greift der Versicherungsschutz nur, wenn es in einem abgeschlossenen Raum stand oder noch in Benutzung war. Schläfst Du also ahnungslos in Deinem Bett und draußen passiert der Diebstahl, fällt es nicht unter den Versicherungsschutz. Dagegen bist Du geschützt, während Du mit Freunden durch ein paar Bars ziehst.

Fahrraddiebstahl: Risiko minimieren

Gerade im urbanen Raum lässt sich ein Fahrraddiebstahl leider nicht vollständig verhindern. Doch mit den entsprechenden Maßnahmen kannst Du das Risiko drastisch reduzieren.

Neben den bereits genannten Möglichkeiten gibt es weitere Tricks und Tipps, die Dein Fahrrad für Diebe unattraktiv machen. Merkmale wie eine auffällige Lackierung erschweren den Verkauf, sodass sie seltener Opfer von Diebstahl werden. Außerdem solltest Du Dein Rad nicht immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort abschließen. Auf diese Weise erhalten potentielle Diebe schnell Informationen darüber, wann sie ungestört ein Fahrradschloss aufbrechen können.

Berücksichtigst Du unsere Tipps zum Schutz vor Fahrraddiebstahl, wirst Du lange Freude an Deinem Zweirad haben und die Welt radelnd erleben.

Weiterführende Informationen zum Thema Fahrraddiebstahl

24. Juli 2020
Diamant Redaktion
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