International “Winter Bike to Work Day” 2019

Beim internationalen “Winter Bike to Work Day” werden die Menschen der nördlichen Erdhalbkugel jedes Jahr am zweiten Freitag im Februar dazu aufgerufen, mit dem Rad zur Arbeit – oder natürlich auch zur Schule und zur Uni – zu fahren.

Auf diese Weise macht der Aktionstag darauf aufmerksam, dass auch in der kalten Jahreszeit das Rad das Verkehrsmittel der Wahl sein kann – vorausgesetzt die entsprechende Infrastruktur und ein funktionierender Winterdienst sind gegeben. Im Diamant-Blog liefern wir Dir alle wichtigen Infos zum “Winter Bike to Work Day”.

Der „Winter Bike to Work Day“ – die Entstehungsgeschichte

2013 haben die beiden finnischen Fahrradaktivisten Pekka Tahkola und Timo Perälä die erste internationale Winter Cycling Conference (WCC) in Oulu organisiert. Viele der 150 Besucher kamen aus Städten mit für gewöhnlich sehr langen oder harten Wintern wie Winnipeg oder Saint Paul im nördlichen US-Bundesstaat Minnesota. Aus dieser Konferenz ging der heutige „Winter Bike to Work Day“ hervor. Konferenzteilnehmer aus Kanada exportierten den Aktionstag nach der WCC aus Europa über den großen Teich, so dass er weltweite Relevanz erhielt.

Bereits die erste Auflage des „Winter Bike to Work Day“ war ein voller Erfolg. Beworben wurde das Event vor allem über die sozialen Netzwerke. Dies führte dazu, dass es weltweit rund 2.000 Teilnehmer gab. Allein im nordfinnischen Oulu registrierten sich mehr als 600 Personen für den Aktionstag. Unter Anbetracht der klimatischen Bedingungen dort ist diese rege Beteiligung besonders bemerkenswert. Trotz Schnee radeln dort kontinuierlich 20 Prozent der Bevölkerung zur Arbeit. Allerdings sorgt hier die Stadt auch für konsequent befahrbare Radwege.

Was ist das Ziel vom “Winter Bike to Work Day”?

Das Ziel vom International “Winter Bike to Work Day” besteht darin, ein Umdenken in den Köpfen vieler Menschen in tendenziell kälteren Regionen zu bewirken. Denn das Rad muss im Winter keinesfalls unter einer dicken Schneeschicht versinken, sondern kann durchaus auch ganzjährig genutzt werden. Am jeweils zweiten Freitag im Februar des Jahres heißt es deshalb Schnee und Eis zu trotzen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

Sind die Wege gefahrlos befahrbar, macht Radfahren nämlich auch im Winter richtig Spaß und ist viel schöner als in überfüllten Bussen und Bahnen zu sitzen oder sich mit dem Auto durch den dichten Stadtverkehr zu schlängeln. Der Appell geht hier nicht nur an Schönwetter-Radler, sondern auch an viele Städte, in denen es aktuell noch an der entsprechenden Infrastruktur und einem funktionierenden Winterdienst mangelt.

Nebenbei dient dieser Tag auch als Ehrentag für diejenigen, denen keine andere Wahl bleibt, als auch im Winter das Rad zu nutzen, um morgens zur Arbeit zu fahren.

Radfahren bei Schnee - Diamant-Blog
Auch bei Schnee ist es möglich, mobil mit dem Fahrrad zu sein. – Diamant-Blog

Vision und Engagement der Winter Cycling Federation

Nach der Winter Cycling Conference 2013 in Oulu gründeten die beiden finnischen Fahrradaktivisten Pekka Tahkola und Timo Perälä die Winter Cycling Federation (WCF), die seitdem jährlich die Winter Cycling Conference sowie den internationalen Winter Bike to Work Day organisiert.

Die Vision der Winter Cycling Federation ist eine Welt, in der Fahrradfahren auch bei Schnee und Eis für jedermann möglich ist – und das ganz ohne besondere Räder oder teure Spezialausrüstung. Um das zu erreichen, wollen Pekka Tahkola und Timo Perälä Winterstädten auf der ganzen Welt dabei helfen, die Bedingungen für Radler während der kalten Jahreszeit zu optimieren. Neben der Winter Cycling Conference und dem Winter Bike to Work Day arbeiten auch alle weiteren Projekte und Kampagnen der WCF auf dieses Ziel hin.

Das Projekt „Winter Cycling Manual“ ist beispielsweise eine Art Leitfaden für Städte, die erreichen möchten, dass auch im Winter für immer mehr Menschen das Rad das Verkehrsmittel der Wahl wird. Der Erfahrungsschatz von Oulu und anderen Städten, in denen auch in der kalten Jahreszeit problemlos geradelt werden kann, wird dort schriftlich fixiert.

Städte, die sich das Ziel gesetzt haben, eine „Winter-Fahrradstadt“ zu werden, erhalten gegen einen jährlichen finanziellen Beitrag:

  • Zugang zur Radsportdatenbank im Winter der WCF
  • einen jährlichen detaillierten „Winterradsport-Barometer“ für die Stadt
  • das Banner für „Winter Cycling City / Organisation“ zur Veröffentlichung auf Webseiten

Auch Organisationen haben die Möglichkeit, Mitglied zu werden.

Fahrradfahren im Winter - Diamantrad-Blog

Dunkelheit, Regen, Frost und Schnee müssen kein Grund sein, das Rad ein halbes Jahr lang einzulagern.Mit der richtigen Ausstattung und einer umsichtigen Fahrweise kannst Du den Witterungsverhältnissen in der kalten Jahreszeit trotzen. Tipps und Hinweise, wie Du mit der richtigen Ausstattung und einer umsichtigen Fahrweise auch im Winter problemlos mobil bleiben kannst, erfährst Du in unserem Beitrag Fahrrad winterfest machen

Radfahren im Winter am Beispiel Oulus

Kälte stellt genau genommen an keinem Ort der Welt einen Hinderungsgrund dar, wenn es darum geht, die täglichen Wege auf dem Fahrrad zurückzulegen. Für das Immunsystem ist es sogar förderlich, durchgängig zu radeln und im Winter nicht zu pausieren.

Tatsächlicher und akzeptierter Hinderungsgrund sind in vielen Städten die schlechte Radinfrastruktur sowie ein nicht vorhandener bzw. ungenügender Winterdienst. Damit auch im Winter viel mehr Menschen das Fahrrad zur Fortbewegung nutzen, sollten Städte folgende Punkte in Angriff nehmen:

  • ein durchgängiges Radwegenetz
  • breite Fahrradwege
  • bauliche Abtrennungen zwischen Autoverkehr und Radfahrern
  • durchgängig beleuchtete Strecken
  • einen funktionierenden Winterdienst

Die finnische Stadt Oulu kann als Paradebeispiel für eine der fahrradfreundlichsten Städte weltweit angesehen werden. Auch im Winter können die Einwohner der nördlichsten Großstadt der EU ihre täglichen Wege problemlos mit dem Rad zurücklegen. Die Zahlen sprechen hier für sich, denn während der kalten Jahreszeit sind es immer noch rund 20 Prozent aller Einwohner, die sich auf dem Zweirad fortbewegen.

Das Fahrrad wird in Oulu als gleichwertiges Verkehrsmittel angesehen. Im Laufe der Jahre ist so ein durchgängiges Radwegenetz entstanden. Die Länge beträgt aktuell 845 Kilometer, jährlich kommen rund 16 Kilometer hinzu. Die Wege sind zwischen 3,5 und 6 Meter breit und meist komplett vom Autoverkehr getrennt, was im Winter mehr Sinn ergibt, als aufgemalte Radstreifen auf der Fahrbahn. Der Schnee würde diese ansonsten monatelang verdecken.

Größtenteils beleuchtete Radwege erhöhen zudem die Sicherheit für Radfahrer während der dunklen Jahreszeit. Darüber hinaus gibt es an stark befahrenen Straßen Unterführungen für Radler und Fußgänger.

Besonders hervorzuheben ist aber der Winterdienst in Oulu. Bei Bedarf sind die Räumfahrzeuge rund um die Uhr im Einsatz. Setzt der Schneefall mal zwei Wochen aus, wird die Schicht aus Hartschnee langsam zu Eis. In diesem Fall wird Kies, Sand oder ein Gemisch aus beidem auf den Schnee gestreut, was für sicheres Rollen der Reifen sorgt. Die Schaufeln der Fahrzeuge besitzen stumpfe Eisenpickel, die die Schneedecke aufrauen. Denn damit Radfahrer sich im Winter gefahrlos fortbewegen können, müssen die Wege nicht vom Schnee befreit, sondern die Wege so bearbeitet werden, dass Radfahrer dort gut vorankommen. Inzwischen wird der Winterdienst in der finnischen Stadt an externe Dienstleister abgeben. Um herauszufinden, ob die Radfahrer mit dem Service zufrieden sind, werden regelmäßig Umfragen durchgeführt.

Wie Du am Beispiel Oulus sehen kannst, ist mit der passenden Infrastruktur (inkl. Winterdienst) das Fahrradfahren fast überall ganz ohne Spezialausrüstung möglich. Selbst Kinder und Rentner meistern in der Stadt nahe dem Polarkreis auch im Winter ihre Wege auf ganz normalen Citybikes.

Abgeschlossenes eingeschneites Rad - Diamant-Blog
Abgeschlossenes Fahrrad im Schnee. – Diamant-Blog

International “Winter Bike to Work Day” 2019: Sei auch Du dabei!

Der “International Bike to Work Day“ erfreut sich weltweit großer Beliebtheit: Über 40 Länder beteiligen sich an dem Aktionstag. Neben Kanada und Finnland sind unter anderem Kroatien, Russland, Spanien, die Türkei, die USA und die Ukraine unter den Teilnehmern vertreten. In Deutschland ist dieser Feiertag bislang noch nicht so populär. Doch einzelne Kreisverbände des ADFC und manche Fahrradblogger thematisieren zunehmend die Aktion, um auf die Problematik der bisweilen katastrophalen Bedingungen für Winterradler in vielen Städten aufmerksam zu machen sowie mehr Menschen dazu anzuregen, sich an dem Aktionstag zu beteiligen.

Du bist nun motiviert, am 8. Februar Deinen Drahtesel aus dem Keller zu holen? Dann kannst Du Dich auf der offiziellen Webseite des Aktionstages anmelden. Dort findest Du außerdem eine Übersicht der verschiedenen Cafés, Bäckereien und Einzelhändler im Landkreis, in denen Du als Belohnung ein kostenloses Heißgetränk oder eine warme Speise bekommst. Als Nachweis der Teilnahme genügt ein Handyfoto oder ein Druckbeleg Deiner Anmeldung. Vielerorts wird auch das mitgebrachte Fahrrad als Legitimation akzeptiert. So lädt dieses Jahr beispielsweise das Netzwerk „Fahrradfreundliches Treptow-Köpenick“ gemeinsam mit der Kampagne Fair-Trade-Town Treptow-Köpenick zu einer kostenlosen fairen Kaffeetafel vor und in den Weltladen Köpenick ein.

Fazit

Der “Winter Bike to Work Day” ist eine gute Möglichkeit, darauf aufmerksam zu machen, dass Sonnenschein keine Grundvoraussetzung fürs Radfahren ist und dass bei der entsprechenden Infrastruktur und einem funktionierenden Winterdienst noch viel mehr Menschen dazu bereit wären, auch bei klassischem Winterwetter das Auto stehen zu lassen und sich auf das Rad zu schwingen. Eine Win-win-Situation für alle: Für das Klima der Städte und für die Gesundheit der Radler.

Weiterführende Informationen rund um den International “Winter Bike to Work Day”

8. Februar 2019
Diamant Redaktion
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