Diamant-Sammler im Portrait: Norman Wolf
Norman Wolf lebt und sammelt Radsportgeschichte. In Cottbus, der Hochburg des DDR-Bahnradsports, hat er über Jahre eine beeindruckende Sammlung historischer Diamant Räder aufgebaut – von originalen Sprintern aus den 60er bis 80er Jahren bis hin zu seltenen Sprintvorbauten mit Elsner-Lenkern. Wir haben mit Norman über seine besondere Beziehung zu Diamant gesprochen.
Vom Campusrad zur Kultsammlung
Norman, du sammelst seit 15 Jahren Diamant-Räder. Wie hat alles begonnen?
In meiner Studienzeit hat mir mein Opa ein Diamant Damenrad für den Campus überlassen. Es hat mich nie im Stich gelassen und wurde mir förmlich aus den Händen gerissen. Zu dieser Zeit habe ich mich mit dem Lackieren beschäftigt und mit großer Leidenschaft Rahmen und Anbauteile lackiert. Im Laufe der Jahre war die Nachfrage nach Fahrrädern von Diamant so groß, dass ich mich nur noch mit Rädern aus der Karl-Marx-Stadt beschäftigt habe.

Wie viele Räder befinden sich heute in deiner Sammlung?
Aktuell sind es 20 Bahn- und Rennräder – abgesehen von den modernen Rädern, die ich noch nebenbei habe. Auf den Dachboden haben es platzbedingt nur die Hälfte geschafft. Wenn es nach meiner Frau geht, ist diese Sammlerleidenschaft schon ganz schön übertrieben. Ein Glück, hat sie mich damals schon so kennengelernt.



Hast du ein Lieblingsrad und welche Geschichte verbindest du damit?
Definitiv. Vor ein paar Jahren haben mein Schrauber-Freund Hannes und ich einen spektakulären Dachbodenfund gemacht. Ein ganzer Raum voller Räder, Rahmensets und Anbauteile. Mittendrin das Diamant Bahnrad Modell 35 708 in RH60 aus dem Jahr 1984. Mein Geburtsjahr, passende Rahmenhöhe und sehr gut erhalten. Das Rad ist heute das Herzstück meiner Sammlung.
Wie siehst du die Rolle von Cottbus in der Geschichte des Bahnradsports – und wie prägt das deine Sammlung?
Cottbus ist ein Fixpunkt in der Geschichte des Bahnradsports. Vor allem seit der DDR-Zeit. Selbst wahr genommen habe ich das durch die Erfolge von Lutz Heßlich in den 80er Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch viele Bahnräder in meiner Sammlung. Einige Räder sind auch vom RSC Cottbus. Es bleibt offen, wer sie einst gefahren hat.
Und dein erstes Diamant Rennrad?
Das habe ich von meiner Frau zum Geburtstag bekommen. Sie hat es in meiner Rahmenhöhe im Originalzustand besorgt und es dann heimlich an den Fahrradständer unserer alten Wohnung gestellt. Ich hab’s erst gar nicht geglaubt. Dieses Rad nutze ich immer noch – und werde es, genauso wie meine Frau, nie wieder hergeben.
Wie findest du neue Räder oder Teile?
Über die Jahre hat sich schon ein gutes Netzwerk zwischen anderen Sammlern und Schraubern aufgebaut. Wenn es um spezielle Teile geht, sind sie meine erste Wahl. Schöne Kompletträder findet man immer dann, wenn man es nicht erwartet. Das kann auf einem Trödelmarkt, einem Hinterhof oder in einem Altbaukeller sein. Gute Stücke sind aber selten und sehr gefragt.

Du bist auch im Besitz zahlreicher Rahmensets. Restaurierst du auch selbst?
Für mich ist ein gut erhaltenes Rahmenset immer der Anfang eines nächsten Projektes. Die Erhaltung des Originallackes ist das oberste Ziel. Jedoch gerät man auch oft an umlackierte oder sehr schlecht erhaltene Rahmen. Dann kommt die Lackpistole zum Einsatz. Originale Anbauteile habe ich viele auf Lager. Wenn alles passt, ist so ein Rad in ein paar Stunden aufgebaut. Die meiste Zeit steckt im Suchen und Aufbereiten der Teile.

Ist deine Sammlung öffentlich zugänglich?
Tatsächlich hätten die Räder und ihre Geschichte es verdient von vielen Fahrradbegeisterten betrachtet zu werden. Dazu ist mein Dachboden aber nicht der richtige Ort. Falls jemand einen Platz in einem Laden, Museum oder Café hat: meldet euch gern. Meine Frau würde das sicher begrüßen!
Was bedeutet dir deine Sammlung?
Für mich steckt in jedem Rad eine Geschichte. Und jede Restauration ist ein Stück gelebte Erinnerungskultur.
Norman, wir danken dir für das Interview!


Unsere Diamantiker im Einzelportrait
In den letzten Jahren haben wir einige leidenschaftliche Sammler klassischer Diamant-Räder getroffen – und ihre ganz persönlichen Geschichten eingefangen. Ihre Antworten sind mal voller Nostalgie, mal überraschend humorvoll. Was sie alle verbindet: die tiefe Liebe zu alten Zweirädern. Lies selbst und tauch ein in eine Welt aus Patina, Erinnerungen und echter Fahrradkultur.