
Mit dem Fahrrad auf dem Land: So erlebten vier Bewohner des Exile Media Hub die kalte Jahreszeit und den Frühling
Wie funktioniert neue Mobilität eigentlich auf dem Land, da wo die Distanzen größer sind und der öffentliche Nahverkehr nicht gut ausgebaut ist? Wenn du kein Auto hast und kaum der Bus fährt – reicht ein einfaches Rad, um dein Leben zu bewegen?
Gemeinsam mit Little John Bikes haben wir im November 2024 zehn Diamant Achat an das Exile Media Hub in Schmerwitz, Brandenburg übergeben – ein Ort, an dem geflüchtete Medienschaffende leben und arbeiten. Seit dem letzten Winter gehören die Räder fest zum Alltag der Bewohner:innen: Für Einkäufe, den Weg zum Bahnhof, zur Arbeit, zu Deutschkursen oder für Ausflüge in die Natur.
Die Fahrräder bieten eine neue Form der selbstbestimmten Mobilität auf dem Land, auch in der kalten Jahreszeit. Nach sechs Monaten haben uns Fakorizada, Wiliam, Arif und Sareh einen Einblick in ihren Alltag auf zwei Rädern gewährt.

Fakorizada – Der Allrounder
Fakorizada, du bist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Wie hat der Winter deine Nutzung beeinflusst?
Bei Schnee bin ich tatsächlich etwas weniger gefahren, aber sobald die Straßen frei waren, war ich wieder unterwegs. Eher für kurze Strecken – zum Einkaufen oder zum Bahnhof. Das Fahrrad ist eine großartige Möglichkeit, auch bei Kälte.
Gab es besondere Herausforderungen?
Schnee und Eis waren schon ein Thema. Aber das Fahrrad von Diamant hat sich als sehr zuverlässig erwiesen. Mit der richtigen Kleidung ist vieles möglich. Das A und O im Winter ist allerdings, dass die Radwege geräumt sind. Das war hier im Dorf und Umgebung leider nicht immer der Fall.
Was bedeutet Mobilität für dich?
Mobilität bedeutet für mich Freiheit und Flexibilität. Ich kann selbst entscheiden, wann und wohin ich fahre. Ein schöner Nebeneffekt ist auch, dass Radfahren gut für die Umwelt und die Gesundheit ist.
William – Der Pendler
William, du nutzt das Rad hauptsächlich für den Weg zur Arbeit. Wie war das im Winter?
Ja, das stimmt. Im Winter war es manchmal echt hart, besonders wenn es früh dunkel war und die Straßen glatt waren. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt. Das Fahrrad von Diamant hat auch dazu beigetragen, bewusster zu fahren. Mittlerweile gibt es für mich nichts Schöneres, als mit dem Rad durch eine verschneite Landschaft zu fahren.
Hat sich deine Sicht auf Mobilität verändert, seit du das Fahrrad von Diamant nutzt?
Absolut! Ich bin viel bewusster geworden, wie ich mich fortbewege. Ich überlege mir genau, welches Verkehrsmittel für welche Strecke am besten geeignet ist. Mein Fahrrad ist für mich eine tolle Alternative zum Auto, gerade für den Arbeitsweg.
Wie siehst du die Zukunft der Mobilität in Schmerwitz?
Ich wünsche mir, dass das Fahrradfahren noch attraktiver wird. Mehr Radwege, mehr Abstellmöglichkeiten und vielleicht sogar ein E-Fahrradverleihsystem. Das wäre der Hammer!

Arif – Der Student
Arif, du bist noch nicht lange im Dorf. Wie hast du den Winter hier erlebt?
Der Winter war eine große Umstellung für mich. Aber ich bin positiv überrascht, wie viele Schmerwitzer hier mit dem Fahrrad unterwegs sind. Ich selbst nutze mein Rad hauptsächlich für den Weg zum Deutschkurs oder auch zum Einkaufen am Wochenende.
Wie kommst du mit dem Fahrrad von Diamant zurecht?
Ich bin total begeistert! Das Fahrrad ist sehr komfortabel und fährt sich toll, auch im Winter. Ich kann es nur weiterempfehlen!
Was ist dir bei Mobilität besonders wichtig?
Mir ist wichtig, dass es gute und sichere Radwege gibt. Und dass man das Fahrrad auch problemlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln kombinieren kann. Das ist besonders für Studenten wie mich wichtig.
Sareh – Die Naturliebhaberin
Wie nutzt du dein Fahrrad im Alltag?
Hauptsächlich für praktische Dinge. Aber sobald es wärmer ist, plante ich auch längere Touren in die Natur in Fläming.
Was bedeutet Radfahren für dich?
Ich liebe es, an der frischen Luft zu sein und die Natur zu geniessen. Radfahren ist für mich nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern auch eine Möglichkeit, die Freizeit aktiv zu gestalten.
Die Erfahrungen von Fakorizada, Wiliam und Sareh zeigen, das Fahrrad hat definitiv seine Stärken: Es verbindet Menschen, bringt Bewegung in den Alltag und eröffnet neue Wege. Sie alle haben Spaß am Radfahren an sich gefunden. Sie fühlen sich frei, gesund und genießen es auch, schneller zu sein als zu Fuß, aber doch ihr Leben etwas zu entschleunigen.
Gerade in ländlichen Regionen wie Schmerwitz ist das Fahrrad eine Chance – für mehr Selbstbestimmung, Teilhabe und Lebensqualität. Für mehr Zeit, die auf dem Land verbracht wird – weil Menschen, die in Schmerwitz wohnen, sich bequem auch in ihrer Heimat bewegen können, und weil Menschen für Ausflüge angezogen werden. Doch es braucht gute Bedingungen: sichere Radwege im Winter, Infrastruktur und politische Unterstützung.Schneeräumung und Straßenwegpflege – das ist der eine, oft genannte große Faktor. Schlaglöcher und Wurzeln wiegen auf Radwegen viel schwerer, weil Fahrräder eben nur zwei Räder haben und meist deutlich weniger Federung. Licht, das fällt uns auf, ist auf dem Land doch insbesondere fürs Rad ein wichtiger Faktor. Selbst, wenn das Rad ein starkes eigenes Licht hat – es ist anders, auf einem unbeleuchteten Radweg unterwegs zu sein als auf einer unbeleuchteten Straße.
Was Fakorizada, William und Sareh erleben, erleben aber auch andere Schmerwitzer. Und selbst, wenn das Rad nicht jeden Tag für die Bewegung genutzt wird und es an manchen Tagen doch ein Auto braucht: Auf dem Land ist der Abstellraum vielleicht da und gar nicht das große Thema wie in der Stadt. Aber jede Fahrt, die geradelt statt mit Sprit betrieben wird, ist eben auch schon eine Autofahrt weniger. Und ein Erlebnis mehr.