Fahrrad fahrbereit machen – Tipps für die (erste) Inbetriebnahme

Vor der ersten Ausfahrt mit einem neuen oder geliehenen Fahrrad sollten sich Radfahrer mit der Bedienung vertraut machen, um Fehlbedienungen zu vermeiden. Indem Du dabei das Rad gründlich durchcheckst, kannst Du gleich beide To-Dos in einem Rutsch erledigen.

Worauf Radfahrer vor der ersten Fahrt achten sollten und welche Fahrradteile beim Fahrrad-Check wichtig sind, erfährst Du hier im Diamant-Blog. Für die Ausfahrten danach findest Du weiter unten eine Checkliste mit den wichtigsten Fahrradteilen, die Du vor jeder Fahrt im Blick haben solltest.

Achtung: Die folgenden Tipps & Hinweise beinhalten Funktionsbeschreibungen, die für unterschiedliche Modelle und Ausstattungsvarianten gültig sind. Nicht alle beschriebenen Komponenten sind an Deinem Fahrrad verbaut worden.

Die richtige Rahmengröße für Dein Rad

Vergewissere Dich, dass das Fahrrad die richtige Größe hat. Ob das Rad die richtige Maße für Deine Körpergröße hat, kannst du prüfen, indem du den Abstand zwischen Oberrohr und Schritt ausmisst, wenn Du über dem Fahrrad stehst (Abb. 1). Das Fahrrad mit den richtigen Maßen für Deine Körpergröße hat einen Mindestabstand von 25 mm. Bei einem Mountainbike empfehlen wir einen Abstand zwischen 50 und 75 mm. Damen-Fahrräder oder Tiefeinsteiger weisen einen größeren Abstand vor bzw. besitzen kein Oberrohr.

Hinweis: Beachte, dass für den Zusammenbau und die ersten Einstellungen Deines Fahrrades spezielle Werkzeuge und Kenntnisse erforderlich sind. Lasse diese Arbeiten daher gegebenenfalls von Deinem Fahrrad-Fachhändler durchführen.

Abstand vom Schritt zum Fahrrad-Oberrohr. Diamant-Blog
Abb. 1 – Die richtige Rahmengröße lässt sich am Abstand vom Schritt zum Oberrohr im Stand (A) erkennen. – Diamant-Blog

Fahreigenschaften testen

Ob Damen- oder Herrenräder, E-Bikes oder ohne Motor – jedes Fahrrad hat bestimmte Fahreigenschaften. Bei falscher Fahrtechnik können sie dazu führen, dass Du das Rad weniger unter Kontrolle hast. Bevor Du schnell oder unter schwierigen Bedingungen fährst, musst Du Dich mit der Bedienung und Funktionsweise der Mechanismen des Fahrrades vertraut machen.

Achte dabei insbesondere auf Bremsen und Lenkkomponenten. „Aerolenker“ können beispielsweise das Lenken und das Bremsen erschweren. E-Bikes weisen durch den eingebauten Motorantrieb ebenfalls andere Fahreigenschaften vor.

Übe das Fahren mit Deinem Rad bei geringen Geschwindigkeiten auf einem ebenen, leeren Parkplatz – auch wenn Du etwas an Deinem Fahrrad geändert hast. Teste die Schaltung und wie sich das Rad beim Fahren verhält. Übe bei einem E-Bike zunächst in der kleinsten Unterstützungseinheit. Wenn Dein Fahrrad nicht die erforderlichen Fahreigenschaften aufweist oder andere Dinge dazu führen, dass Du nicht sicher mit dem Fahrrad unterwegs sein kannst, wende Dich an Deinen Fahrrad-Fachhändler.

Leistung der Fahrradbremsen prüfen

Die Bremsleistung von Fahrradbremsen ist von der Nutzungsart des Fahrrades abhängig. Es kann passieren, dass Du das Bremssystem nicht ordnungsgemäß verwendest oder zu viel Kraft mit der Vorderradbremse ausübst. In diesem Fall könnten die Bremsen Deine Kontrolle vermindern. Um einen Sturz zu vermeiden, übe den Einsatz der Fahrradbremsen. Wiederhole die Gewöhnungsphase mit Bremstest beim E-Bike für alle Fahrstufen.

Hinweis: Wenn Dein Fahrrad mehr oder weniger Bremskraft benötigt, lasse Dich von Deinem Fachhändler zu den Bremseinstellungen und alternativen Bremsoptionen beraten.

Überschneidungen der Pedalhaken vermeiden

Einige moderne Hochleistungsfahrräder, insbesondere in kleineren Größen, haben einen kürzeren Radstand, sodass das Vorderrad näher an den Pedalen liegt. Bei niedrigen Geschwindigkeiten kann es vorkommen, dass die Fußspitzen oder der Pedalhaken das Vorderrad oder das Schutzblech bei Lenkbewegungen berühren (Abb. 2). Wegen der Überschneidung hast Du dann möglicherweise nur noch eine eingeschränkte Kontrolle über das Fahrrad. Bei normalen Geschwindigkeiten kommt es in der Regel zu keiner Berührung, da der Fahrradlenker nicht so weit eingeschlagen wird. Trete daher bei niedrigen Geschwindigkeiten und eingeschlagenem Lenker besser nicht in die Pedale.

Tipp: Die Fußfreiheit auf dem Rad ist abhängig von der Größe Deiner Füße, der Länge der Kurbelarme, der Größe der Reifen und den Pedalen. Somit lässt sich die Fußfreiheit ändern, wenn Du die genannten Komponenten auswechselst.

Überschneidung Pedalhaken und Vorderreifen - Diamant-Blog
Abb. 2: Überschneidung der Pedalhaken. – Diamant-Blog

Gefahrenstellen am Fahrrad meiden

Einige Teile Deines Fahrrades können bei falscher Handhabung Verletzungen verursachen. Vermeide daher

  • scharfkantige Stellen: Zähne der Kettenblätter und einige Pedalen können scharfkantige Stellen haben.
  • bewegliche Teile: Bewegliche Teile wie Seilzüge am Fahrrad können in die Haut schneiden.
  • heiße Oberflächen: Fahrradbremsen und deren Komponenten werden während des Fahrradtour heiß. Beim E-Bike können Antrieb und Akku sehr heißt werden, wenn eine Störung vorliegt.
  • Quetschstellen: An Klemmstücken und schwenkbaren Teilen, wie Bremshebel oder dort, wo die Kette auf das Kettenblatt läuft, könntest Du Dich versehentlich einklemmen.

Probleme mit Fahrradrahmen oder Fahrradgabel

Tauchen während der Fahrradfahrt Probleme am Rahmen oder an der Gabel auf, kann dies zum Kontrollverlust und damit einhergehend zum Sturz führen. Im Normalfall sollten auch bei hoher Geschwindigkeit kein Flattern, sondern nur harmonische Schwingungen oder Rahmenvibrationen zu spüren sein.

Hinweis: Solltest Du ein Flattern spüren oder ein anderes Problem auftreten, verringere sofort die Geschwindigkeit und fahre nicht weiter. Bringe Dein Rad zum Fachhändler und lasse es inspizieren und reparieren.

Defekt am Rad durch Verschleiß vermeiden – Lebensdauer der Fahrradkomponenten

Wie bei allen mechanischen Geräten verursacht die Nutzung auch beim Fahrrad Belastungen und Verschleiß. Dies äußert sich bei den verschiedenen Werkstoffen und Komponenten auf unterschiedliche Weise. Wenn ein Teil des Rads (z. B. Rahmen, Gabel und Komponenten) über seine Lebensdauer hinaus verwendet wird, kann dieses Teil plötzlich brechen und dazu führen, dass Du die Kontrolle verlierst. Achte daher auf Risse, Kratzer oder Farbänderungen jeglicher Form in den stark belasteten Bereichen. Diese weisen darauf hin, dass die Lebensdauer der Komponente erreicht ist und als Konsequenz ersetzt werden muss.

Die sichere Lebensdauer eines Fahrradteils wird durch folgende Gegebenheiten und Faktoren bestimmt:

  • Konstruktion
  • Material
  • Verwendung
  • Wartung
  • Fahrergewicht
  • Geschwindigkeit
  • Untergrund
  • Außenbedingungen (Feuchtigkeit, Salzgehalt, Temperatur usw.)

Es ist daher nicht möglich vorherzusagen, wann ein Teil ersetzt werden muss. Wenn Du nicht sicher bist, ob ein Teil ersetzt werden soll, wende Dich bitte an Deinen Fachhändler. In einigen Fällen haben leichtere Rahmen bzw. Komponenten eine längere Lebensdauer als schwerere Ausführungen. Leichte Hochleistungsfahrräder und deren Teile erfordern jedoch mehr Wartungsaufwand, häufigere Inspektionen und kürzere Austauschintervalle.

Festzuhalten ist aber: Ein harter Fahrstil, das Fahren unter schwierigen Bedingungen oder im Allgemeinen eine intensive Nutzung mit häufigen Fahrten beanspruchen das Rad übermäßig stark. Somit müssen in diesen Fällen Fahrrad und Komponenten häufiger ausgewechselt werden, als bei Radfahrern, die weniger oder zurückhaltender fahren.

Unfälle können ebenso zum Defekt am Rad führen. Wenn Du zum Beispiel bei einem heftigen Stoß auf ein Hindernis triffst, kann das Fahrrad stark beansprucht werden – auch wenn Du nicht fällst. Prüfe daher nach solch einem Unfall zuerst, ob es beschädigte Stellen am Rad gibt, ob sich Dein Rad ungewöhnlich verhält oder Du ein neues Geräusch wahrnimmst. Falls ja, solltest Du anhalten und das Problem beheben bzw. von Deinem Fahrrad-Fachhändler reparieren lassen. Überprüfe das Fahrrad immer gründlich, bevor Du wieder damit fährst.

Fahrrad-Reparaturständer mit Diamant-Rahmen

Verschlissene Fahrradteile müssen nicht das Ende Deiner Radfahrer-Fahrrad-Beziehung bedeuten. Einzelteile können auch einfach ausgetauscht werden. Wie? Unsere bilderreiche Anleitung im Diamantrad-Blog erklärt Dir, wie Du zum Beispiel ein Diamant-Rennrad restaurieren kannst.

Vorsicht beim Fahren mit Aerolenkern

Aerolenker sind Fahrradlenker, auf denen sich der Fahrer mit den Unterarmen anstatt mit den Händen abstützt. Die Radkontrolle ist hierbei niedriger als bei herkömmlichen Fahrradlenkern. Denn wenn die Unterarme oder Ellenbogen beim Fahren auf einem Aerolenker platziert sind, lässt sich das Fahrrad nicht so einfach und agil lenken oder anhalten.

Für mehr Kontrolle beim Lenken oder Bremsen ist eine andere Haltung notwendig, sodass die Hände in der Nähe der Bremshebel sind und Du Dich nicht auf den Ellenbogen oder den Unterarmen aufstützt.

Hinweise für Fahrradteile aus Carbonfaser

Fahrradteile aus Carbon sind besonders leicht und deshalb ein beliebtes Material in der Fahrradbranche. Zudem hat die Carbonfaser (Kohlenstofffaser) eine höhere Festigkeit als Stahl oder Aluminium. Aber Vorsicht: Fahrradteile aus Carbon können trotzdem durch einen Schlag, Unfall oder falsche Handhabung überlastet und somit beschädigt oder gebrochen werden – es verhält sich nur anders!

Metallteile verbiegen oder verformen bei Überlastung, bevor sie brechen, sodass die Überlastung sichtbar ist (Abb. 8). Überlastete Fahrradteile aus Kohlenstofffasern verbiegen oder verformen sich nicht. Ein beschädigtes Carbonfaserteil kann also unverändert aussehen, aber aufgrund der Beschädigung eine viel geringere Festigkeit haben. Ist eine Belastung zu stark für die Festigkeitsgrenze der Carbonfaser, bricht sie (Abb. 8), ohne sich im Vorfeld zu verformen.

Verschleißte Fahrradgabeln - Diamant-Blog
Abb. 8 – Je nach Material zeigt sich der Verschleiß der Fahrradteile auf unterschiedliche Weise. Während sich Metallgabeln bei Überlastung verbiegen (links), brechen Carbonfaser-Gabeln (rechts), auch wenn sie insgesamt höheren Belastungen standhalten. – Diamant-Blog

 

Bei Fahrrädern mit Carbon-Rahmen oder -Gabel ist somit in den folgenden Fällen besondere Vorsicht geboten:

  • Bei Unfällen: Wenn die Carbonfaser bei einem Unfall oder einem Schlag nicht bricht, können im Materialinneren dennoch unsichtbare Schäden vorhanden sein.
  • Bei mechanischen Arbeiten: Durch unsachgemäß durchgeführte mechanische Arbeiten können die Carbonfasern versehentlich beschädigt werden.

Die verdeckten Schäden können dazu führen, dass das Fahrradteil plötzlich während der Fahrt bricht. Überprüfe das Fahrrad daher nach einer solchen Situation ganz genau und ersetzte Teile vorsichtshalber, wenn Du Dir unsicher bist. Gehe bei der Prüfung der Carbonfaserteile wie folgt vor:

1) Fahrradteil reinigen und Oberflächen prüfen

  1. Reinige das Fahrradteil vollständig mit einem feuchten Tuch.
  2. Kontrolliere das Fahrrad sorgfältig hinsichtlich folgender Auffälligkeiten:

⭢ Kratzer oder Kerben
⭢ Verfärbungen
⭢ Risse
⭢ lose Fasern
⭢ andere Oberflächenmängel

2) Biegetest: Auf Veränderungen in der Steifigkeit prüfen

Unternehme keine Fahrt, aber beanspruche das Fahrradteil in gewohnter Weise. Eine andere Person sollte das entsprechende Fahrradteil währenddessen auf ungewöhnliche Bewegungen oder Geräusche überprüfen.

Beispiel: Setze Dich auf den Sattel, während eine andere Person darauf achtet, ob sich die Sattelstütze ungewöhnlich biegt. Übermäßiges Durchbiegen wäre ein Hinweis auf ein mögliches Problem.

3) Klopftest: Auf Delamination prüfen

Vergleiche die Klopftöne des vermutlich defekten und intakten Fahrradteils. Klingen die Töne anders als an unbeschädigten Stellen oder an einem ähnlichen anderen Fahrradteil? Ungewöhnlich hohle oder stumpfe Töne sind ein Hinweis auf ein mögliches Problem.

  1. Reinige das Fahrradteil vollständig mit einem feuchten Tuch.
  2. Klopfe mit einer Münze neben die vermutete Schadstelle.
  3. Achte sorgfältig auf Tonabweichungen.

Übrigens: Auch die Reifen bzw. Räder können aus Carbon bestehen. In unserem Beitrag Laufrad beim Fahrrad einbauen & überprüfen gehen wir auch auf dieses Szenario ein.

Besondere Herausforderungen beim Fahrradfahren im Winter

Die Witterungsbedingungen in der kalten Jahreszeit erfordern eine besondere Vorsicht in der Fahrweise sowie Austattung des Fahrrad und des Radfahrers selbst. Beispielsweise solltest Du auf Glatteis und in Kurven möglichst gar nicht bremsen, sondern besser das Fahrrad ohne zu lenken ausrollen lassen.

Gesetzliche Strukturen verpflichten zwar Städte und Gemeinden dazu, stark frequentierte Straßen zu räumen und zu streuen. Dennoch setzen die winterlichen Bedingungen den einzelnen Fahrradteilen wie der Fahrradkette zu  – dabei ganz besonders Streusalz. Bei E-Bikes und Pedelecs benötigt der Akku im Winter ganz besondere Aufmerksamkeit.

Neben der Fahrradpflege darf der Radfahrer selbst natürlich nicht zu kurz kommen. So müssen Radfahrer im Herbst und Winter aufgrund der schlechteren Lichtverhältnisse stets gut sichtbar sein. Je nach Kälteempfindlichkeit und der Länge der Fahrradfahrt, benötigen Radler im Winter eine spezielle Fahrradausrüstung, um nicht auszukühlen oder krank zu werden.

Alle Tipps und Hinweise rund um die Themen Winter-Radeln und Fahrrad winterfest machen erhältst du natürlich auch im Diamant-Blog.

Checkliste für Fahrradfahrer: Vor jeder Fahrt

Fahrradfahrer sollten ihr Rad vor jeder Fahrt sorgfältig prüfen und erst dann fahren, wenn alle Probleme behoben sind. Die folgende Checkliste zeigt Tipps, wie Du das Fahrrad startklar machen kannst und welche Fahrradteile Deine besondere Aufmerksamkeit erfordern.

✓ Lenker und Vorbau kontrollieren

Lenker und Vorbau dienen zur Steuerung des Fahrrads und sind somit eines der wichtigsten Teile. Vor der Fahrt mit dem Fahrrad sollten daher folgende Punkte kontrolliert werden:

  • Ist der Vorbau richtig am Vorderrad ausgerichtet und fest eingestellt? Klemme das Vorderrad zwischen die Knie und versuche den Lenker seitwärts zu bewegen (Abb. 3).
  • Ist der Vorbau ordnungsgemäß mit der Gabel und dem Lenker verbunden? Versuche den Lenker im Vorbau zu drehen. Der Lenker darf sich nicht bewegen und nicht locker sein.
  • Werden beim Drehen des Lenkers keine Seilzüge herausgezogen oder eingeklemmt?
  • Sind die Lenkergriffe fest?
  • Sind die Lenkerenden abgedeckt und die Lenkerstopfen richtig in den Lenkerenden versenkt? Das offene Ende eines Lenkers könnte bei einem Sturz Schnittwunden verursachen.

Für einen größtmöglichen Komfort sowie optimale Bedingungen für eine sportliche Einheit auf dem Rad, solltest Du zudem den Fahrradlenker richtig einstellen.

Fahrradlenker am Vorderreifen ausrichten - Diamant-Blog
Abb. 3: Der Fahrradlenker sollte richtig am Vorderreifen ausgerichtet sein. – Diamant-Blog

✓ Laufräder prüfen

An den Laufrädern sollten die folgenden Punkte vor jeder Fahrt mit Fahrrad überprüft werden:

  • Ist der Reifendruck in Ordnung? Ein zu hoher Luftdruck kann den Reifen auf der Felge platzen lassen. Verwende eine Handpumpe mit zuverlässiger Druckanzeige und pumpe nicht zu viel Luft in den Reifen. Pumpe die Reifen ggf. entsprechend den Druckangaben an der Seitenwand auf.
  • Sind die Laufräder gerade? Drehe das Laufrad und beobachte die Felge, wenn sie an den Bremsbelägen oder am Rahmen vorbeiläuft. Die Felge darf keinen Höhen- oder Seitenschlag aufweisen.
  • Sind die Laufräder korrekt befestigt? Eine falsch vorgespannte und geschlossene Radbefestigung kann dazu führen, dass sich das Laufrad lockert oder unerwartet löst. Dies kannst Du prüfen, indem Du das Rad anhebst und im oberen Bereich fest auf den Reifen schlägst (Abb. 4). Das Laufrad darf nicht abfallen, locker sein oder sich seitwärts bewegen.
Festen Sitz der Laufräder prüfen - Diamant-Blog
Abb. 4: Vor der Fahrt mit dem Fahrrad sollten die Laufräder auf einen festen Sitz überprüft werden. Diamant-Blog

 

Es gibt verschiedene Systeme zur Befestigung der Laufräder am Rahmen:

  • Achsmuttern mit Gewinde
  • Schnellspanner mit Hebel (Abb. 5)
  • Steckachsen
Schnellspanner an den Laufrädern - Diamant-Blog
Abb. 5 – Laufräder können mit Schnellspanner am Rahmen befestigt sein: Vorspannmutter (1); Hebel (2). Diamant-Blog

✓ Bremsen testen

Ein beschädigtes oder falsch eingestelltes Bremssystem kann zum Kontrollverlust führen. Unterziehe die Bremsen daher vor jeder Fahrt einer umfassenden Inspektion. Es gibt vier verschiedene Bremstypen mit unterschiedlichen Inspektionsanweisungen:

  • Handfelgenbremsen
  • Scheibenbremsen
  • Nabenbremsen
  • Rücktrittbremsen

Hinweis: Fahre nicht mit einem Fahrrad, bei dem die Bremsen nicht richtig funktionieren. Bringe es zum Kundendienst Deines Fachhändlers oder informiere Dich bei uns, wie Du die Fahrradbremsen prüfen und einstellen kannst.

Handfelgenbremsen

Handfelgenbremsen sind mit dem Handhebel durch einen Seilzug verbunden. Bei Betätigung des Hebels üben die Bremsbeläge Druck auf die Felge aus.

  • Lässt sich die Handfelgenbremse frei bewegen und sich das Fahrrad entsprechend problemlos zum Halten bringen? Ziehen Sie den Hebel an: Wenn sich der Hebel bis an den Fahrradlenker ziehen lässt, ist die Bremse zu locker eingestellt.
  • Sind die Bremsbeläge an der Felgenflanke ausgerichtet (Abb. 6)?
  • Beträgt der Abstand zwischen Bremsbelag und Felge im unbetätigten Zustand 1 bis 2 mm? Wenn die Bremsbeläge zu nah an der Felge sitzen, ist die Handfelgenbremse zu straff eingestellt.
Ausrichtung der Bremsbeläge bei der Handfelgenbremse - Diamant-Blog
Abb. 6 – Handfelgenbremse: Bremsbelag auf Felgenflanke ausgerichtet (1); Bremsbelag und Felge parallel mit Abstand von 1–2 mm (2); Laufrichtung der Felge (3); Winkel zur Felge 0.5–1.0 mm (4). – Diamant-Blog

Scheibenbremsen

Scheibenbremsen sind mit dem Handhebel durch einen Seilzug oder Hydraulikschlauch verbunden. Bei Betätigung des Hebels übt die Bremse Druck auf eine Scheibe aus, die an der Nabe befestigt ist.

  • Lässt sich die Scheibenbremse frei bewegen und sich der Fahrradreifen dadurch anhalten? Ziehen Sie für den Check den Hebel an: Wenn sich dieser bis an den Fahrradlenker ziehen lässt, ist die Bremse zu locker eingestellt.
  • Beträgt der Abstand zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe im unbetätigten Zustand 0.25 bis 0.75 mm? Wenn die Bremsbeläge zu nah an der Scheibe sitzen, ist die Scheibenbremse nicht richtig ausgerichtet oder zu straff eingestellt.

Achtung: Scheibenbremsen und Scheiben werden bei Verwendung sehr heiß und können Verbrennungen verursachen. Darüber hinaus können die Scheibenkanten scharf sein und Schnittverletzungen verursachen. Berühre die Scheibe oder die Scheibenbremse nicht, wenn diese heiß sind oder die Scheibe sich dreht.

Nabenbremsen

Bei Nabenbremsen verbindet ein Seilzug den Bremshebel mit einer Vorrichtung in der Nabe.

  • Wie weit muss der Bremshebel angezogen werden, um Ihr Fahrrad anzuhalten? Wenn es mehr als 15 mm sind, ist die Nabenbremse zu locker eingestellt.
  • Ab wann kommt das Rad bei Betätigung der Nabenbremse  zum Stillstand? Wenn das Fahrrad mit weniger als 7 mm Bremshebelweg zum Stillstand kommt, ist die Bremse zu straff eingestellt.

Achtung: Eine Nabenbremse wird bei Verwendung sehr heiß und kann Verbrennungen verursachen. Berühren Sie nicht die Nabe oder die Kühlrippen, wenn diese heiß sind.

Rücktrittbremsen

Rücktrittbremsen werden betätigt, wenn Du die Pedale nach hinten bewegst.

  • Wie schnell stoppen die Rücktrittbremsen die Reifen? Sie sollten greifen, bevor die Kurbelarme 60 Grad (1/6-Drehung) nach hinten zurückgelegt haben.
  • Kann sich die Antriebskette lösen? Da sie zur Betätigung der Rücktrittbremse erforderlich ist, sollte die Kette fest sitzen und ein vertikales Spiel zwischen 6 und 12 mm haben (Abb. 7).
Überprüfen der Kettenspannung - Diamant-Blog
Abb. 7: Überprüfen der Kettenspannung: Das vertikale Spiel sollte 6-12 mm betragen. – Diamant-Blog

✓ Sattel (Sitz) und Sattelstütze kontrollieren

Da der Fahrradsattel den Großteil Deines Gewichts trägt, ist es wichtig, vor der Fahrt zu prüfen, ob er ordnungsgemäß befestigt ist. Versuche, den Sattel und die Sattelstütze im Rahmen zu drehen und die Sattelspitze nach oben und nach unten zu neigen. Dabei darf er sich nicht bewegen oder locker sein.

Hinweis: Eine ausführliche Anleitung, wie sich der Fahrradsattel einstellen lässt, findest Du im Diamant-Blog.

✓ Federung prüfen

Passe die Federung an Deine Fahrgewohnheiten an. Die Federungskomponenten sollten „auf Block gehen“, also über den maximalen Federweg hinaus gestaucht werden können.

✓ Beleuchtung und Reflektoren sicherstellen

Ohne korrekte Beleuchtung und Reflektoren bist Du für andere Verkehrsteilnehmer nicht klar sichtbar. Auch könntest Du Schwierigkeiten haben, Dein Umfeld zu erkennen. Um eine Unfallgefahr durch schlechte Sichtverhältnisse zu vermeiden, solltest Du nur mit Vorderlicht, Rücklicht und Reflektoren fahren.

  • Sind alle Reflektoren sauber und an der erforderlichen Stelle angebracht?
  • Sind die Reflektoren abgedeckt oder von einem Gegenstand am Fahrrad verdeckt?
  • Funktioniert die Beleuchtung korrekt?
  • Sind die Akkus der Lichter aufgeladen bzw. wird der Dynamo mit Strom versorgt?
  • Ist der Dynamo korrekt angebracht und kann sich nicht bewegen?

In einigen Ländern oder Gemeinden gibt es spezielle Vorschriften in Bezug auf die Beleuchtung, z. B. bei Farben und Typen. Erkundige Dich, bevor Du mit dem Rad verreist.

✓ Rahmen und Gabel begutachten

Prüfe den Rahmen und die Gabel vor jeder Fahrt auf Anzeichen von Materialermüdung:

  • Einkerbungen
  • Risse
  • Kratzer
  • Verformungen
  • Verfärbungen
  • Ungewöhnliche Geräusche

Wenn Dein Fahrradrahmen oder die Gabel aus Carbonfaser gefertigt sind, solltest Du die oben beschriebenen Reinigungshinweise beachten, sowie Biege- und Klopftests durchführen (siehe oben: Hinweise für Fahrradteile aus Carbon).

✓ Akku beim Elektrorad prüfen

Bei Elektrorädern wie E-Bikes oder Pedelecs kommen durch den Akku ein paar Komponenten hinzu, die vor der Fahrt kontrolliert werden müssen:

  • Ist der Akku vollständig aufgeladen?
  • Ist das Akku-Schloss richtig verriegelt?
  • Sichtprüfung:
    • Sind Beschädigungen am Akku zu sehen?
    • Sind Beschädigungen am Antrieb zu sehen?
    • Sind Kabelleitungen oder Steckverbindungen beschädigt?
    • Sitzen Kabelleitungen und Steckverbindungen richtig?

Wenn Du fehlende oder beschädigte Teile entdeckst, verwende das Elektro-Fahrrad nicht, bis du es von einem Fachhändler reparieren lassen hast.

Fazit: Prüfe vor jeder Fahrt, ob das Rad betriebssicher ist

Natürlich wird jedes neue Fahrrad vorgeschriebenen Endkontrollen unterzogen. Bis das Rad schließlich an den Endkunden verkauft wird, vergeht allerdings noch etwas Zeit. So muss es noch transportiert und gelagert werden. Das Rad könnte in einem unbeaufsichtigten Moment umgefallen oder einzelne Fahrradteile könnten ausgetauscht worden sein. Daher ist es erforderlich, dass Radfahrer sowohl vor der ersten Inbetriebnahme als auch vor jeder weiteren Fahrt zumindest die wichtigsten Fahrradteile gewissenhaft kontrollieren. Mit unseren Tipps und der praktischen Checkliste weißt Du nun, worauf Du achten musst.

Wir wünsche Dir eine gute Fahrt!

15. Oktober 2018
Diamant Redaktion
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